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Wir werden sehen / We want to see - Weltreise mit Ede und Sten
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Wir werden sehen / We want to see

06.05.2015 Usbekistan / Taschkent / N41°19’31.2“ E069°15’38.6“

 

Einen Platz zum Schlafen fanden wir in einer Seitenstraße, ganz in der Nähe des Zentrums. Es ist immer wieder ein kleines Abenteuer, für Leo eine geeignete Stelle zu finden. In der freien Landschaft ist das hier weniger die Frage. Da können wir quasi überall Halt machen und unser Lager aufschlagen. Die Städte sind anders. Jede Einfahrt in eine Stadt lässt unseren Puls nach oben schnellen. Doch in den ehemaligen sowjetischen Gegenden sind die Straßen meist weiter und offener, so dass wir nur ab und an die Köpfe einziehen, um unter den tiefhängenden Kabeln hindurch, und um die engen Ecken und brüchigen Wege herum zu kommen. Gefahren wird in allen Ländern Asiens, in denen wir bisher waren, genau so chaotisch. Die Regel scheint in jedem Fall zu sein, dass es keine Regel gibt. Und so ist es immer wie auf dem Rummel beim Auto Scooter fahren. Wir bräuchten 360 Grad Augen. Sten bekommt das mit dem Fahren im Gewusel sehr gut hin und mein Job ist es, „Auto überholt rechts“, „Vorsicht, tiefes Loch“, „Achtung Gulli ohne Deckel“, „Langsam, der schießt vor uns auf die Straße“, „Mann mit Esel ist zwischen uns und dem Auto“ und ähnliches zu sagen. Auf diese Weise sind wir ein eingespieltes Team, wenn es darum geht, voran zu kommen.   Geweckt werden wir vom Duft des frischen Brotes, der aus einem der Häuser dringt und von den Stimmen der Leute und Vögel, die zu uns hallen. Städtisches morgendliches Treiben herrscht um uns herum. Wir wollen noch bleiben. Irgendwie fühlt es sich nicht nach „gehen“ an. Der „Registan“ lädt uns erneut zu sich und wir folgen gern seinem Ruf. Auch wenn das Sitzen auf einer Mauer hier nicht wirklich erwünscht ist, die großen freien Treppen, mit Blick auf den „Registan“, die überall sonst auf der Welt wohl von Unmengen an Leuten belagert werden würden, hier abgesperrt sind und die Polizisten mit ihren Trillerpfeifen genauest darauf achten, dass keiner seinen Fuß an eine nicht erwünschte Stelle setzt, finden wir einen Platz, von dem aus wir gut sehen können. Wir lassen uns Zeit und das Treiben auf uns wirken. Sten zeichnet und bekommt auf diese Weise ein Gefühl für die Feinheiten der Gebäude. Es ist seine ganz eigene Zwiesprache die er hält und die ihn eintauchen lässt in das Eigenleben, welches sich vor ihm auftut. Für mich ist es wie der Besuch eines sich frei entwickelnden Improvisations-Theaterstückes. Kleine Szenen spielen sich, zusammenhangslos wirkend, an jeder Ecke des Platzes ab und sind doch alle gemeinsam Teil der gleichen Geschichte. Ob es der Junge ist, der stolpert und hinfällt und dabei mit einem lauten Knirschen sein IPad über den Platz schlittert, oder das Mädchen in hochhackigen Schuhen, welches eine halbe Stunde lang Selfies von sich macht und leider immer wieder unzufrieden mit dem Ergebnis zu sein scheint. Die großen weißen Marmortreppen, die vielleicht nur an Feiertagen zu betreten sind, werden mit vollster Hingabe von zwei Frauen gekehrt. Dabei nimmt sich jede eine der Stufen vor, um diese Meter für Meter mit dem Besen, aus zusammen gebunden Sträuchern, zu fegen. Zuschauen ist Meditation und das Kehren selbst wohl auch, so behutsam arbeiten sie sich voran, als seien sie für den Rhythmus auf dem Platz zuständig, den sie mit ihren Besen vorgeben. Dazwischen drängen sich immer wieder die schrillen Pfiffe der Polizisten in meine Gehörgänge und bringen ein wenig Tempo in die Szene. Zwischen all dem hüpfen Mädchen umher, rollen Gruppen von bunt be-Kleid-eten Frauen durch das Bild, eilen Männer in ihren traditionellen Hosen und Stiefeln im rechten Moment zur Auflockerung über die „Bühne“, demonstrieren Wachhabende Autorität. Ich fotografiere sie, sie fotografieren mich. Immer wieder kommen Leute vorbei und bitten um ein gemeinsames Foto. Ich sehe für sie wahrscheinlich genau so fremdartig aus, wie sie für mich. Und so haben wir alle miteinander Spaß. Dann brechen wir auf und suchen auf der Karte nach unserem nächsten Ziel. Es ist das dreihundert Kilometer entfernt liegende Taschkent. Die Hauptstadt Usbekistans. Wir bitten darum, dass der Leo gut durchhält. Ist ja leider unsere Getriebe-Geschichte noch immer nicht zu Ende erzählt. Wir kommen langsam voran. Doch haben wir immerzu mit dem zu heiß Laufen des Getriebes zu tun. Und da es nicht 100%ig das Passende ist und weniger Zähne in den Zahnrädern hat, beanspruchen wir den Motor und Hauptgetriebe ebenfalls über die Maße. Es liegen aber noch Länder mit schwer befahrbarem Gelände vor uns und so sind wir gerade mit Hilfe und Unterstützung aus Deutschland dabei, ein anderes Getriebe zu organisieren. Dieser Fakt zieht gleich einen Rattenschwanz an anderen Entscheidungen nach sich, die getroffen werden wollen und für die Lösungen zu finden sind. Alles hängt immer wieder an den Visa, die umzustellen und neu zu beantragen sind. Nur ist eben genau das nicht ganz einfach. So haben wir als Erstes die Route abgeändert und werden nach Usbekistan nicht in das bergige Kirgistan fahren, sondern gleich erst einmal wieder nach Kasachstan. Diesmal nun im Osten des Landes. In Kasachstan kennt man uns schon und es ist überhaupt möglich, ein Getriebe anliefern zu lassen. Und, zwischen Deutschland und Kasachstan gibt es bis 15. Juli 2015 die einjährige Regelung, dass Deutsche auch ohne Visum für zwei Wochen einreisen können. Wir hoffen, dass die kasachischen Grenzer diese Regelung auch kennen und uns ins Land lassen. Wie es dann weiter geht halten wir uns momentan erst einmal offen. Denn wenn wir hier Eines wirklich begreifen, dann ist es das Verstehen, dass jede weitere Vorplanung gern ein Gespräch beim Bier sein kann, aber mit dem was dann tatsächlich geschieht herzlich wenig zu tun hat. „Wir werden sehen“, ist unser Satz, der hier zu jeder Situation der passende Gedanke ist und freuen uns, am Abend wohlbehalten in Taschkent anzukommen und bei den Freunden von Dina, unserer lieben usbekischen Mitarbeiterin in Jena, willkommen geheißen zu werden.

 

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Kommentare

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    Liebe Klingermeyers,
    unverändert lese ich täglich Euren Blog und verfolgende gespannt Eure Erlebnisse. Zufällige Bezüge entstehen. So hatte ein ganzseitiger Artikel in der Sonntags-FAZ über die Bedrohung des Stör in Russland und Kasachstan durch Wilderei, Umweltschäden und Kraftwerksbau nun einen ganz anderen Hintergrund. Übrigens ist Jörg Wehrmann nun auch regelmäßiger Blogleser. Hat ja auch genügend Zeit nachdem er freiwillig dem Erwerbsleben ein Ende bereitet hat.
    Hier bricht nun endgültig der Frühling aus. Ich sitze bei weit geöffneten Fenstern im Büro während ich diese Zeilen schreibe. Mit Susi bereite ich ein Radtour von Bautzen zum Spreewald an Pfingsten vor.
    Wir drücken Euch und dem Leo ganz fest die Daumen, dass das neue Getriebe organisiert werden kann.
    Liebe Grüße zum Wochenende
    Uli


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