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Schamanen, Derwische, Sufis in Zentralasien
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Sufi oder wie? / Sufi or how?

11.06.2015 Almaty / Kasachstan / N43°14’37.5“ E076°56’13.5“

Schamanen, Derwische, Sufis. Mir brummt der Kopf. Was ist was? Wie gehört es zusammen? Ich bin verwirrt und irritiert. Als ich merke, dass Ganze auch noch etwas mit dem Islam zu tun hat.Ich versuche den Knoten in meinem Kopf zu lösen und die einzelnen Stränge zu verfolgen. Derwische kennen wir schon aus der Türkei. Es sind dort die Männer die sich in ihren weiten hellen Rockmänteln in Trance begeben und unaufhörlich drehen. Andernorts sind sie bunt gekleidet. Wie im Sudan und Afghanistan. Ihre Bezeichnung als „Derwische“ kommt aus dem Persischen und bedeutet „asketischer Mönch“ oder auch „Bettler“. Wobei der Begriff des Bettelns hier für die Askese, entsagende Lebensweise steht. Die Silbe „Der“ leitet sich von dem Wort „Tür“ ab. Derwische wandeln vor den Türen oder stehen an der Tür zur Erkenntnis und dem Übergang vom Irdischen zum Jenseits, der Welt des Erkennens der göttlichen Welt.
Ein Derwisch wird als Sufi bezeichnet, weil er den Sufismus praktiziert. Damit ist er Angehöriger einer muslimischen asketisch-religiösen Ordensgemeinschaft. Derwische gelten als Quelle für Klugheit, Weisheit und der Heilkunst.

Ein Sufi im ursprünglichen Sinne ist ein „Wollkleidträger“. Ihr Ursprung kommt ebenfalls aus der asketischen mystisch-ekstatischen Tradition. Lange vor dem 9. Jahrhundert lebten sie auf ihre Weise. Später wurde ihnen nahe gebracht, dass der Islam ähnliche Elemente enthält wie der Glaube der Sufisten. Das führte dazu, dass die Islamisten die Sufi in Teilen dem Islam zuordneten. Die Sufi webten wiederum, ab dieser Zeit, in ihre ursprünglichen Gesänge auch Gebete des Islam mit ein.

Wir stehen am Fuße zweier Grashügel die sich in das Steppenland ziehen, bevor sich dahinter im Süden die Berge des Tien Shan auftürmen.
Es ist ein Land mit besonderen Energien, heißt es. „Bifatima“ lebt hier. Sie ist der letzte Sufi Kasachstans, steht geschrieben. Die Menschen im Dorf sind geteilter Meinung über Bifatima. Die Einen folgen ihr und ihren mystischen Zeremonien, gemeinsam mit Pilgern, die sie aufsuchen. Die anderen meinen, es sei doch nur Geldschinderei, was die alte Dame da betreibe.
Ihre Methoden sind nicht ohne. Von Waschungen mit dem Blut eines Schafes über Wasserschocks, Peitschen Hieben, während man unter einem Teppich liegt bis hin zu Reinigungszeremonien, bei denen man für zwölf Stunden in Felle und Folie eingepackt still schwitzend und unbeweglich da liegt. Eine Art Wiedergeburt.

Zwei Stimmen klingen in mir. Die eine, die schon gespannt wäre, was da mit mir und überhaupt geschehen würde. Die andere, die sich geradezu fürchtet, vor den hart wirkenden Methoden.
Nun, wir machen es wie so oft in letzter Zeit. Wir überlassen es dem Zufall, ob wir ihr begegnen werden oder nicht und besteigen auf eigene Faust die Energiehügel. Die Kräfte der Erde und des Universums treffen sich in einem Spalt in der Mitte der Landschaft. Ein Stein zeigt die Stelle genau an. Gerahmt von einem schwarzen und roten Monolithen, die für Wünsche nach Kindern und Gesundheit stehen, hat das gesamte Bild hier etwas von einem Altar mitten in der Landschaft. Mich fesselt das Licht, welches in dieser letzten Stunde vor Sonnenuntergang über die Bergkuppen lugt. Auf der gegenüberliegenden Seite türmen sich tief blaue Gewitterwolken. Dazu kommt ein Wind auf, der geradezu in diese Szenerie zu gehören scheint. Die Natur ist einfach genial. IHRE Energie ist es, die mich ergreift.

Bifatima begegneten wir nicht. Soll heißen, wir bekamen sie nicht zu Gesicht. Alles andere bleibt ihr Geheimnis.
Und die Schamanen. Was ist mit denen? Sie sind ebenso Heiler und asketisch lebende Weise, die Trance zur Heilung nutzen. Sie leben weiter im Norden in Sibirien und Südosten. Bis nach Australien zu den Aborigines reicht ihre Verbreitung. Ihr Tun und Sein erscheint mir vergleichbar mit dem der Sufisten. Nur liegt ihr Ursprung regional in anderen Gegenden.
Uff, mein Knoten ist gelöst. Befreiter Atem schafft sich in mir Raum, unter diesem tiefdunklen, von der Sonne beschienen, Wahnsinnshimmel.

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