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Die kleine Gemeinschaft / The small community - Weltreise mit Ede und Sten
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Die kleine Gemeinschaft / The small community

26.04.2015 Kasachstan / Aktau / N43°46’12.6“ E051°05’26.2“

 

Da sind wir hier so hereingeschneit. Oder sollte ich besser sagen „hereingeregnet“, in Anbetracht dessen, was in diesen vergangenen Tagen vom Himmel fiel?
Inzwischen fühlen wir uns näher gerückt, sind nicht mehr nur Zaungäste, fast schon Tischnachbarn. Kein Pförtner fragt mehr, wer wir sind. Die Tore öffnen sich wie von allein. Die Hunde wedeln freudig und ein wenig gelangweilt, wenn sie uns riechen. Halt alte Bekannte… Anders ist es, wenn ich koche. Dann duftet es verführerisch. Und treublickende Husky Augenpaare schauen mich an, in dem Hoffen, auf diese Tour an ein Stück des Wunderduftes heranzukommen. Und. Es klappt. Ich liebe diese klaren Augen und will ihnen nicht wiederstehen. Die neun Jungen im Hunderudel sind gewachsen in den vergangenen zwei Wochen und die Eltern haben es fast geschafft ihr Winterfell abzulegen. Yippie, für mich das untrügliche Zeichen, dass es aufwärts geht mit den Temperaturen.

An dieser Stelle drängt es mich eine Lanze für das mitteleuropäische Wetter zu brechen. Es steht in einem so miesen Ruf. Und wie das Gras, ist auch das Wetter an anderen Orten scheinbar immer besser. Doch nun bin ich an den anderen Orten, um nachzuschauen und kann ganz ruhig sagen, dass in Mitteleuropa auch ein tolles Klima herrscht. Ja, zwei Pförtner kenne wir inzwischen hier, die mal in dicker Steppjacke, mal im leichteren Look, bei jedem Hupen das Tor öffnen und wieder schließen. Nicht ohne nach dem Grund des Gehens oder Kommens zu fragen. In der Verwaltung arbeiten vier Frauen, die oft freundlich winkend über den Hof eilen, um einem der LKW-Fahrer Papiere auszuhändigen. Denn im Hauptgeschäft ist das hier ein Logistikunternehmen mit angegliederter MAN Werkstatt. Ne praktische Kombi, vor allem für die eigenen Fahrzeuge.
Kommen die Trucks angeschlagen von der Piste, erwartet sie hier, neben einem Elektroniker, das Mechanikerdoppel Yura und Marga. Wenn da nicht gerade ein Orangefarbener LKW aus Deutschland wäre, der nach wie vor alle Aufmerksamkeit abzieht. Yura kommt aus der Ukraine und Marga ist Türke. Und auch sonst geht es hier sehr international zu. Da gibt es zum Beispiel noch die Usbeken. Die sind dabei eine neue Halle zu errichten. Gearbeitet wird quasi durchweg. Wochentage und Wochenende scheinen ein und das Selbe zu sein. Denn alle wohnen für einige Wochen auf dem Hof, bevor ein jeder nach Hause fährt, um ne Pause zu machen. Und so hat es gerade am Wochenende etwas von einer kleinen Gemeinschaft, wenn ich sie alle zum Mittag- oder Abendessen gehen sehe. Denn auch die Küche hat täglich geöffnet und es wird für alle gekocht. Und zu schmecken scheint es. Warum sonst werde ich den Eindruck nicht los, dass auch die Fahrer ihre Touren mitunter nach den Küchenöffnungszeiten richten? Schön.

Der Chef ist Janathan, mit Nurlan, seinem Werksleiter, an der Seite. Er hat keinen leichten Job. Führung heißt in diesen Landstrichen, in jeder Sekunde hart durchgreifen, sonst laufen die Dinge aus dem Ruder. Die Gesellschaft generell funktioniert hier, soweit ich das beobachte, nach dem Belobigungs- und Bestrafungsprinzip. Gut zu merken ist das auf der Straße. An Stellen, wo mit Kontrollen zu rechnen ist, fahren alle super geordnet. Doch außerhalb dessen herrscht „Wild East“. Hier auf dem Hof regeln das die Überwachungskameras. Und so wird auch Putin von der Mehrheit der Leute sehr geschätzt für seine Unerbittlichkeit und Härte. Heute, bei den vorgezogenen Präsidentenwahlen in Kasachstan hat der seit 25 Jahren amtierende vierundsiebzig Jahre alte Nursultan Nasarbajew mit 97,5% aller Stimmen gewonnen. Auch er gilt als autoritär herrschender Staatschef. Er zog die Wahl vor, da wegen der nationalen Wirtschaftskrise, auf Grund des gesunkenen Ölpreises, unpopuläre Schritte zu gehen sind. So wird wohl in den kommenden Monaten nicht nur der Wind vom kaspischen Meer rauer wehen.

Ach ja, da wäre noch die Sache mit unserem Leo. Auf und ab geht es heute mit unseren Emotionen. Die Dramaturgie verläuft aufsteigend. Hoffnung, Hoffnung, Hoffnung, dass die neu besorgten Dichtungsringe passen und das Getriebe abgedichtet werden kann. Super sorgsam kümmert sich Yura um jedes Detail. Die Sonne scheint, die Musik spielt und der Wind hat sich gelegt, als wir im schönsten Sonntagnachmittagsgefühl zur nächsten Testfahrt starten. Wir lachen auch, als wir auf den Hof zurückkehren. Doch leider erstickt sich selbiges im nächsten Augenblick, denn wir sehen, dass es wieder eine Stelle mit ausgelaufenem Öl gibt. Ich bin enttäuschet und merke, wie sehr ich gehofft hatte, dass nun alles gut ist. Doch, hm, das Leben sieht es anders. Wir sind uns nach wie vor einig, dass wir erst fahren, wenn alles in Ordnung ist. Auf der Zielgerade unruhig werden ist keine gute Idee. In meinem Kopf formieren sich allmählich Alternativgedanken, was unsere weitere Route angeht. Wo haben wir wann ein Visum? Wo brauchen wir keins? Und wo könnte unser Weg langführen, wenn jetzt alles noch viel länger dauert? Wir sprechen uns kurz Mut zu. Dann verschwinden Sten und Yura wieder unter dem Leo. Nachts um 01.30 Uhr heißt es, nach mehreren Tassen Café und Versuchen und neuen Gedanken: „Wir machen ne Probefahrt.“ Auf geht’s in die Dunkelheit. Der Leo läuft und wird doch wieder gestoppt. Diesmal ist es die Polizei, die nachts um 02.00 Uhr 60.000 Tenge (300 €) von uns haben will. Angeblich wegen Tempoüberschreitung. Sten versteht auch um diese Uhrzeit nur Deutsch (hihi) und so gibt der Polizist nach ner halben Stunde genervt auf. Uff, geklappt! Und dann? Dann rollen wir auf die Rampe und können unser Glück kaum fassen. KEINE neue Ölspur am Getriebe! Ein Freudenfest nach Mitternacht. Wir umarmen uns und wir umarmen Yura, der ohne Pause für uns da ist. Als wir uns lachend eine gute Nacht wünschen, verrät er uns sein Geheimnis. Während der ganzen Zeit unserer letzten Fahrt hat er sein Kreuz an der Halskette, fest in der Hand gehalten.

 

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