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Naadam Fest in Altanzugz/ Mongolei
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90 Jahre Altanzugz / 90 years Altanzugz

19.07.2015 Altanzugz / Mongolei / N48°46’47.1“ E090°33’41.9“

 

Wo sind wir hingeraten? Pferdegetrappel und Wiehern sind die Geräusche die uns aufwecken. Die Nase vorsichtig aus der Tür gesteckt sehen wir uns umringt von weißen Jurten mit Bannern, die das 90-jährige Jubiläum der Ortschaft „Altanzugz“ propagieren. Bunt gekleidete Frauen übersteigen die Schwellen der Jurten aufgeregt ein- und austretend. Ich versuche zu erkennen, mit welchem Bein sie zuerst die Schwelle überqueren, da ich weiß, dass es dazu Regeln gibt. Doch ganz ehrlich. Ich kann kein System darin finden. Rechtes Bein, linkes Bein, vorwärts, rückwärts, mit Schuhen, ohne Schuhe. Alles sehe ich, nur keine Regelmäßigkeit in den Bewegungsabläufen. Ich schiebe es auf die Aufregung des Festtages und vertage mein Beobachten auf später. Wir scheinen mit dem Leo intuitiv neben der Jurte des Dorfältesten angehalten zu haben und werden auch gleich von ihm auf eine Schale Stutenmilch eingeladen. Der Älteste sitzt dabei dem Jurten Eingang gegenüber. Im Uhrzeigersinn haben wir am linken Rand des Inneren entlang zu laufen. Dabei müssen wir darauf achten, dass wir hinter allen Sitzenden vorbei gehen und nicht davor. Sten wird links neben dem Chef platziert. Ich umrunde die Jurte weiter, bis ich an der rechten Seite, wieder nah des Ausgangs, angekommen bin und bei den Frauen Platz nehme. Vor mir liegen bunt verstreut Bonbons, Kekse und Obst. Die Frauen sind freundlich und suchen meine Nähe. Anfassen scheint hier wichtig zu sein. Die Stutenmilch, die mir in einer Schale gereicht wird, hat einen säuerlichen Geschmack, den ich ziemlich schmackhaft finde. Zumindest finde ich ihn wesentlich besser als ich ihn mir nach Berichten aus dem Fernsehen vorgestellt hatte. Wir machen Fotos von der ganzen Familie und schenken dem Chef kurze Zeit später einen Abzug davon. Er freut sich riesig und wir uns auch. Hatten wir doch genau für solche Gelegenheiten unseren Fotodrucker mitgenommen. Um Bilder schenken zu können, wo diese selten sind. Dann herrscht Aufbruchstimmung. Das Fest beginnt. In dem lang gestreckten Tal, stehen die Jurten über weit mehr als zehn Kilometer verteilt. Platz gibt es genug. Also sorgt jeder für ausreichend Raum um sich herum. Als Dorf oder Siedlung, in dem uns bekannten Sinne, würde ich nicht beschreiben, wie die Jurten hier stehen. Es ist mehr eine Gegend mit einem weitläufigen Lager. Von oben betrachtet kommt es mir vor, als wäre Chingghis Khaan mit seinem Gefolge angelandet und hat sich kurzer Hand ausgebreitet. Qualm steigt aus den Schornsteinen der Jurten auf, Sand stiebt weit, vom Ritt der Pferde, über die Ebene. Mein Gott. Was für eine Zeitreise haben wir hier unternommen? Fortbewegt wird sich per Pferd oder klapprigem Auto. Wobei die Pferde in der deutlichen Überzahl sind. Fasziniert sehe ich den Männern zu, wie sie auf ihren Tieren dahin fliegen. Ihre Körper bleiben vollkommen ruhig, als stünden sie in der Luft, während sich die Pferde unter ihnen im schnellsten Galopp vorwärts bewegen. In Ermangelung eines Pferdes laufen wir zu Fuß zum Festplatz, an dem sich nach und nach Unmengen an Menschen versammeln. Ein buntes Treiben, welches mich permanent an Filmszenen erinnert. Männer in Lederstiefeln und bunten, in der Hüfte gebundenen, Mänteln. Frauen in farbigen Kleidern und Umhängen, wie ich sie mir bisher nur in China vorgestellt hatte. Ringer zeigen ihre massigen nackten Körper. Andere sind eher drahtigen Körperbaus und tragen einen Adler auf dem Arm. Mir gehen die Augen über. Ich weiß nicht, wohin ich zuerst sehen soll. Auf das Kind, welches da still im seitlichen Holz-Korb des Kamels sitzt? Auf die Frau mit dem Zopf, der ihr bis zum Boden reicht, die ihrer Meisterschaft im Bogenschießen frönt? Auf die Männer im Anzug, die Abzeichen als Auszeichnungen an die Reverse der bunten Kleider stecken? Auf die kleinen Jungs, die sich zum Start für das Pferderennen bereit machen? Auf die Sänger, denen die Jury ein Thema vorgibt, zu welchem sie dann einen Sprechgesang improvisieren, gleich den Minnesängern, die Neuigkeiten durch die Lande trugen? Oder doch auf die Ringer, die Adlertänze vollführen, wenn sie einen Gegner besiegt haben? Jede Disziplin wird bewertet. Alles hat seine eigene Jury, die eigenwillige Linien in Kästchen zeichnet, Zahlen notiert, von denen ich nicht weiß, was sie aussagen sollen oder Notizen per Wort aufschreibt, deren Bedeutung mir verborgen bleibt. Manchmal gehen wir in unseren Leo zurück, um durchzuatmen, bevor wir uns erneut in das Spektakel werfen. Tradition ist hier lebendig. Sie wird gelebt und von Generation zu Generation getragen. Alle sind dabei. Alle machen mit. Voll Enthusiasmus und Begeisterung. Was ich erlebe ich pure Identifikation der Mongolen mit ihrer eigenen Kultur. Das fesselt mich. Weil es seltener wird in unserer Welt. Hier scheint noch nichts der Gleichförmigkeit unterworfen. Auch wenn ich das eine oder andere Handy sehe, mit dem die Leute filmen und Fotos machen. Es sind die Ausnahmen. Telefonempfang gibt es hier draußen sowieso nicht. Also ist ein Handy noch überflüssig. Da macht man lieber Büchsen- und Ringe-Werfen, auf ein Glas Gurken oder eingewecktes Obst. Eine Reckstange ist aufgebaut, um daran Hüftschwünge zu üben. Jahrmarkt der Einfachheit, doch der nicht minder großen Gefühle.

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