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Warten auf Godot / Waiting for Godot - Weltreise mit Ede und Sten
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Warten auf Godot / Waiting for Godot

14.04.2015 Kasachstan / Aktau / N43°46’12.6“ E051°05’26.2“

Mit der Getriebesuche müssen wir erst mal pausieren. Ein anderes Thema drängt sich massiv auf. Wir haben seit gestern 14 Uhr kein gültiges Visum mehr. Ende vergangenen Jahres zu Hause haben wir uns das so schön ausgedacht. Vier Wochen Zeit pro Land, das passt. Da ist Spielraum in jede Richtung. Nun laufen wir seit Iran den Zeitspannen hinterher. Dort mussten wir wegen des kaputten Leos unser Visum verlängern. War kein Problem. Zwei Wochen gabs obendrauf. Als der Leo wieder fuhr, konnten wir jedoch unser fünf tägiges Transitvisum für Turkmenistan nicht mehr einhalten. Eine Woche hat es gedauert, ein Neues zu bekommen. Gut, dass hieß, für den Westen Kasachstans bleiben uns zwei Wochen. ‚Ist nicht so schlimm. Wir kommen nach Usbekistan und Kirgistan ja noch einmal in den östlichen Teil Kasachstans’, sagten wir uns. Dass drei Tage vor Ablauf unseres Kasachstan-Visums der Leo komplett aussteigt, damit haben wir nicht gerechnet.
Vergangenen Donnerstag blieb der Leo liegen. Am Freitag hatte die Migrationspolizei geschlossen. Samstags waren wir dort, um uns nach langem Warten und großen Diskussionen mit der Antwort: „Kommen sie am Dienstag wieder, wenn ihr Visum abgelaufen ist. Vorher können wir nichts tun.“ von Dannen zu ziehen.
Heute IST Dienstag und Nurlan, der Leiter der MAN Werkstatt, begleitet uns zur Migrationspolizei. Er kennt die Jungs alle gut. Denn oft hat er mit ihnen zu tun, wenn es um Arbeiter aus Usbekistan geht. Frohen Mutes kommen wir Neun Uhr an und wissen auch gleich, welche Tür die unsrige ist. Doch statt eines kurzen nochmaligen Aufnehmens unseres Vorganges und dem anschließenden zügigen Verlängern der Visa, so wie es uns am Samstag zugesagt wurde, bekommen wir nun, übersetzt von unserem Bekannten Alpamys, zu hören: „Sie haben das Gesetz gebrochen, da ihr Visum abgelaufen ist. Nun brauchen sie einen Anwalt, der den Vorgang bezeugt und beglaubigt. Besorgen sie ihn, vorher geht hier nichts weiter.“ Wir glauben unseren Ohren nicht zu trauen. Was soll denn das jetzt? Und woher sollen wir plötzlich einen Anwalt nehmen, der zudem die entsprechende Berechtigung besitzt?
Doch solange wir uns das noch fragen, sind Nurlan und Alpamys schon am Telefon und klappern alle denkbaren Möglichkeiten ab. Nurlan verschwindet kurz darauf, um sich auf den Weg zu einem Anwalt zu begeben, den er ausfindig gemacht hat. Alpamys bleibt bei uns. Das große Warten beginnt. Um uns herum sitzen Männer aus Usbekistan, die wegen ihrer Arbeitsvisa hier sind. Das ist ein langwieriger, aber routinierter Vorgang hier in den Amtsstuben. Wir merken es. Uns wird klar, dass man sich hier mit derartigen Prozessen gut auskennt, das ist Tagesgeschäft. Hingegen Leute mit einem abgelaufenen Touristenvisum wie wir es sind, kommen hier so gut wie nie vor. Da gibt es keine eingespielte Routine, das ist ein Sonderfall. Während wir hier so sitzen, müssen wir plötzlich lachen, denn aus den drei Türen vor unseren Augen kommen in regelmäßigen Abständen Männer heraus und gehen zu einer anderen Tür wieder hinein. Auf. Zu. Auf. Zu. Die Wand mit den Türen ist in einen großen Raum eingepasst. Quasi ein Raum im Raum. Das verstärkt den Eindruck einer Theaterkulisse. Die drei Türen, vom „Bühnenbildner“ geschickt gewählt. Die eine aus Metall. Grau und mit mehreren Schlössern versehen. Sie ist die strengste der drei Türen. Die anderen beiden sind aus Holz. Wirken gediegen und hochoffiziell. Nur fehlen ihnen zur Vollendung des Eindrucks am unteren Ende jeweils fünf Zentimeter. Sie sehen aus wie zwei stolze Jungen, die jedoch aus ihren Anzughosen herausgewachsen sind und unten die Socken und nackte Haut verschmitzt blitzen. Die rechte der beiden Türen sticht jedoch zweifach hervor. Sie trägt in Brusthöhe ein goldfarbenes Schild mit eingeprägten Buchstaben und kann obendrein ein Siegel an der linken Seite sein eigen nennen. Hinter dieser Tür sitzt der wichtigste der agierenden Männer, das ist klar. Alle scheinen einer Choreographie zu folgen, die etwas Tänzerisches hat. Der Rhythmus stimmt und auch Haltung und Gesichtsausdrücke lassen keine Wackler erkennen.
Doch alles Spiel kann uns nicht darüber hinweg täuschen, dass wir nun hier seit morgens 9 Uhr sitzen, es nun bereits 13 Uhr und nichts, aber auch gar nichts Erkennbares geschehen ist. Was mit dem Anwalt ist wissen wir nicht. Er ist eine Größe im Raum, doch nicht fassbar. Sind wir hier in der Aufführung „Warten auf Godot“ gelandet? Jetzt ist hier auf alle Fälle Mittagspause und alle müssen das Gebäude verlassen. 14.30 Uhr geht es weiter. Wiederwillig erheben wir uns von der Holzbank, um draußen etwas zu Essen zu suchen. Im „Café London“ werden wir Dank Alpamys fündig. Es ist ein großer Saal, in dessen Mitte eine Tischreihe mit Warmhaltebehältern aufgebaut ist. Von der Bulette, über Reis bis hin zu Suppe gibt es von allem. Wir werden satt und geschmeckt hat es auch. Doch was ist mit dem Anwalt? 15.30 Uhr heißt es, er sei nun fertig im Gericht und komme gemeinsam mit Nurlan zu uns. Glaube ich es? Ich weiß nicht so genau. Mein innerer Geduldsfaden ist bis aufs äußerste gespannt. Ich fühle mich unruhig und unwohl. Dieses nicht voran Kommen und ohne einen Sinn darin zu sehen hier Stunde um Stunde verstreichen zu lassen, bringt mich an den Rand meiner Geduld. Harren wir dieser Dinge ja nun bereits seit vier Tagen. Kurz geschüttelt. Lachen zurück geholt und weiter geht es. Mit neuer Hoffnung auf zum Amt. OK. Warten. Das kennen wir. Mit einem Mal kommt Bewegung in die Szenerie. Der Anwalt erscheint. Ein sehr angenehmer und sympathischer Mann, der uns bescheinigt, keinen Fehler begangen zu haben. Gut, und was nun? Er weiß nicht was er tun soll. Wir wissen es ebenso wenig. Auf zur Chefin des Hauses, ein Stockwerk weiter oben. Wir laufen mit unseren schmutzigen Schuhen über ihren tiefroten schweren Teppich und hinterlassen sandige Spuren. Der Anwalt erklärt, dass kein Vergehen vorliegt. Der Monolog aus vier bis sechs Mündern fliegt durch den Raum und gewinnt an Lautstärke und Temperament. Als sich alle wieder beruhigt haben und wir die Frage stellen, was denn nun zu tun sein, heißt es: „Akzeptieren, dass sie eine Unterlassung begangen haben. Daraufhin werden sie belehrt. Der Anwalt bezeugt dies und sie bekommen ein Visum für weitere zwei Wochen.“ Das ist alles? Ja, das ist alles! In den folgenden zwei Stunde werden viele Zettel ausgefüllt und Protokolle verfasst. Wir unterschreiben, der Anwalt unterschreibt. Der ganze Vorgang wird von uns mit 32.000 Tenge (gut 150€) beglichen und mit einem Mal halten wir unsere Pässe mit den neuen Visa in den Händen. Unglaublich, aber wahr. Die Atmosphäre lockert sich, die Beamten lächeln zum Abschied und wir können einfach nur „Danke“ sagen.
Was hätten wir sonst heute auch von 9 Uhr am Morgen bis 19 Uhr am Abend tun sollen?

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Kommentare

  • Avatar

    Ich wünsche mir Gelassenheit, solche Dinge eben so tapfer zu ertragen …. vermutlich wäre ich schon durch die Decke geflogen, aber das wird in Amtsstuben sicher verboten sein und steht somit auch unter Strafe.
    Wir drücken Euch die Daumen, dass es voran geht …


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