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Sonntag ist Haushaltstag

18.01.2015 Turkey / Foca / N38°40’36.1“ E026°44’08.7“

Ich kann es nach wie vor nicht fassen. Ich öffne morgens die Tür unseres Leos und sehe vor mir das azurblaue Meer. Es ist kein Schlafwandel, sondern das, was ich als meine wahrnehmbare Realität beschreiben würde. Tröpfchenweise wird mir die Großartigkeit unserer Möglichkeit bewusst. Monatelang war dieses Gefühl von den Anstrengungen der Vorbereitung vernebelt. Am Ende konnte ich mich kaum noch auf die Reise freuen, fragte mich geradezu: ‚Was war das nur für eine Idee?’ Ich fühlte mich pudelwohl in meinem Leben, in meinem Alltag. Ich genoss es, mit meinen Freunden Zeit zu verbringen. Manchmal erschien es mir fast wie ein Hohn, nun all dem Guten zeitweilig den Rücken zuzukehren, um meiner Wege zu gehen. Hochmut gleich, kam es mir vor, zu sagen: ‚Ich bin mal für eine Weile weg.’ Oft hörte ich von anderen die Worte. „Bei mir ginge das jetzt nicht so einfach.“ Und ja, einfach ist es nicht. Soviel kann ich sagen. Angangs war es wie ein Spiel, als wir 2008 den Entschluss zu dieser Reise fassten. Geld sparen. Erste Routengedanken fallen lassen. Das alles war irgendwie Spaß. Es fühlte sich an wie ein Traum. So wie wir selbst, glaubte wohl auch unser Umfeld kaum an dieses Projekt. Doch Jahr für Jahr rückte der geplante Termin näher. Spätestens ab dem 01.01.2014 spürten wir ganz real: „Es wird ernst.“ Alles was jetzt kommen sollte, war vor der Abfahrt das letzte Mal. 2014 war somit wie ein Brückenjahr. Wir gingen von dem einen Ufer zum anderen. Und forderten indirekt alle, die um uns waren auf, diesen Weg mit uns zu gehen, Sei es im Privaten oder im Job. Da kamen Ängste, Befürchtungen, Hektik, Wehmut und was weiß ich nicht noch alles in uns auf. Nur die Vorfreude, von der war nicht mehr viel zu spüren. Gehört habe ich das von anderen Reisenden noch nie. Doch vielleicht ist das einfach so? Vielleicht gehört es dazu? So sitze ich nun hier am Meer an diesem Sonntag, dem 18. Januar 2015 und denke über genau diese Gefühle nach. Und nun plötzlich freue ich mich wieder. Bemerke die Einzigartigkeit der Möglichkeit, die wir uns da geschaffen haben. Ich erlaube mir nun, das Schöne und Besondere auch wahrzunehmen. Ich gestatte es mir selbst, ungeachtet aller Themen und Probleme, die da vielleicht zu Hause sein mögen und ungeachtet all der Gedanken anderer, die da möglicher Weise sagen: „Wie können die sich das einfach so erlauben, aus dem Alltag zeitweise auszusteigen?“
Ja, in diesem Augenblick stellt sich mir tatsächlich die Frage aller Fragen nach dem Sinn unseres irdischen Daseins. Sorry dafür. Doch ich genehmige mir diese
Frage. Zu verlieren gibt es nichts. Nur zu gewinnen. Und ich fühle heute, wie viel es sein wird, was wir mitbringen werden. Für uns und für alle anderen.
Ok, zurück zu den greifbaren Dingen.
Ganz im Sinne: ’Bleib, wenn Dir der Ort gut tut’ sind wir heute geblieben. Nicht zusammenpacken und weiter. Sondern den Tag kommen und gehen lassen und der Sonne in ihrem Lauf dabei zusehen. Nebenher war heute „Haushaltstag“. Alle unsere Vorräte wollten wir einmal sichten. Zu hastig hatten wir sie im Dezember einfach nur eingestapelt. So etwas einmal zusammen zu tun, das war etwas ganz Neues für uns. Doch außer Lachanfällen sind wir von Dramatischerem verschont geblieben.
Zur Belohnung gab es noch ein super leckeres Fischessen im Ort. Zu amüsant, sich im Winter unter die Einheimischen mischen zu dürfen. Um Punkt 20 Uhr war plötzlich im kompletten Ort Stromausfall. TOTAL SCHWARZ. Zeit für uns zu gehen.

 

 

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Kommentar

  • Liebe Tina, hab innigen Dank für Deine Nachricht vom 21.1. Sie hat uns sehr gefreut. Irgendwie fühlt es sich dadurch gleich näher an. So verbunden durch das Universum… Deine Zwei von nebenan.

  • Freue mich über Ihren Newsletter und vor allen Dingen darüber, dass es Ihnen gut geht (auch dem hiesigen Winter entflohen zu sein).
    Viel guten Mut weiterhin
    Dipl.-Ing. Karl-Heinz Kraass
    Impulsregion (Erfurt-Weimar-Jena-Weimarer Land)

  • Ihr Lieben,

    ich freue mich so, das zu lesen. Ich war mir sicher, daß das kommt. Und ich möchte mich herzlich lächelnd verteidigen: Als Ihr zum Tag der Wohnungsbesichtigung auf dem Dach gesagt habt, daß wir einziehen können – aber nur, wenn wir die Blumen gießen, wenn ihr auf Weltreise seid, stand für mich nicht mit einer Faser im Zweifel, daß Ihr das tun würdet 🙂 ….und ich war zwei Jahre darauf vorbereitet 🙂 ! Ich freue mich, daß es Euch gut geht, daß die Anstrengungen abfallen und die Sicht frei wird auf das, was im Wunsche und im (Unter-)Bewußtsein zur Entscheidung dieser Reise beigetragen hat… was auch immer es für Euch ist. Frei sein, leben auch anders, den Blickwinkel einmal verschieben, verweilen zu dürfen nach Gefühl oder wasauchimmer. Ihr habt dafür viel getan. Und Ihr könnt und dürft und wollt das eben „einfach mal so“! Ich beglückwünsche Euch täglich zu dieser Entscheidung. Und hoffe nichtsdestotrotz, daß Euch ein guter Engel immer begleiten wird. Denn das ist ja logisch. Es ist eine Freude, hier jeden Tag zu lesen. Denn ein kleines Stück Geist reist mit.

    Viele liebe Grüße, Tina


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