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Stehaufmännchen/ Die Kambodschaner und die "Roten Khmer"
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Stehaufmännchen / Roly-poly

07.11.2015 Samraong / Kambodscha / N14°10’12.0“ E103°29’59.3“

Ein weißer Wagen kommt vorgefahren. Aussteigt ein großer schlanker Mann im hellen Tropenanzug. Sehr elegant. Äußerst sympathisch. Als Bürgermeister stellt er sich uns vor. Etwas verdattert sitzen wir da, stehend im nächsten Moment. Mit so viel Aufmerksamkeit hatten wir nicht gerechnet. Wir sind in Anlong Veng, einer kleinen Stadt ganz im Norden Kambodschas. Kurz vor der thailändischen Grenze. Das Herausragende ist hier eher dunkel gehalten. Eine Hochburg der Roten Khmer war der Ort. Fast jeder soll hier dabei gewesen sein, steht geschrieben. Es ist dem kleinen verschlafenen Nest nicht anzumerken. Während wir so auf den See blickend unser Willkommensbier trinken. Das Grab von Pol Pot, dem sagenhaft brutalen Anführer der Rote Khmer, ist ganz in der Nähe. Noch heute bringen Anhänger Räucherstäbchen an sein Grab und befragen ihn, gottgleich, was er von der einen oder anderen Idee halte. Ich möchte das namenlose Grab nicht besuchen. Es kommt mir einer Würdigung gleich, die ich in keinster Weise zum Ausdruck bringen will.
Der Bürgermeister scheint einer neuen Generation anzugehören. Jung ist er. Seine Bewegungen grazil, sein Englisch von reinem Klang. Als Gäste heißt er uns in seinem Land und seiner Stadt willkommen. Wie es dazu kommt, dass er plötzlich vor uns steht, bleibt uns verborgen. Irgendjemand scheint irgendwem erzählt zu haben, dass Ausländer in der Stadt sind. Beim Verabschieden gibt uns der Bürgermeister den Tipp nach Samraong zu fahren. Dort sei Drachenbootfest.
Hui, gibt es das also auch in Kambodscha. Das wollen wir sehen. Da fahren wir hin.
Wir sind nicht allein auf der achtzig Kilometer langen Strecke. Mit immer mehr „Langarmtraktoren“ haben wir uns die Straße zu teilen, je weiter wir uns annähern. Volksfeststimmung in bunten Kleidern und Schleifen im Haar. Etwas leidet der Glanz. Dann nämlich, wenn die bunte Traktorbesatzung eines Dorfes sich eine alte braun-schmutzige Folie über die Köpfe zieht, weil der Regen gar zu stark wird. Sonne und Starkregen gehen heute eine heiß-feuchte Beziehung miteinander ein. Und wir alle sehen zu.
Wie aufgefädelt steht Traktor an Traktor am Straßenrand der Stadt. Wie beim Mittsommerfest kommt sie mir vor, die Hochstimmung der Leute. Der Ausbruch eines Farbvulkans. Es sprüht und zischt an allen Ecken, es dröhnt und quietscht von jedem Ende. Alle wollen Spaß. Ob auf dem kleinen Kettenkarussell, der Hüpfburg, beim Essen oder eben dem Anfeuern der Drachenbootteams. Zweiundzwanzig Männer sitzen und stehen heute in den schlanken Booten. Kein Trommelschlag für den Takt, kein lautstarkes Rufen aus zweiundzwanzig Männerkehlen. Irgendwie finden sie trotzdem ihren Rhythmus. Vorn im Boot wird gesessen, hinten gestanden. Auch hier fahren jeweils zwei Teams gegeneinander. Im Vorlauf und den Finalrunden.
Und wir? Als Ehrengäste werden wir gehandelt und zur Tribüne geführt. Goldstoff umhüllte Stühle rücken wie automatisch zur Seite. Platz wird uns gemacht, wo eigentlich keiner ist. Dieses Maß an Aufmerksamkeit macht mich verlegen. Jede, ja jede unserer Bewegungen wird auf das Genaueste beobachtet. Wie wir gehen, wie wir stehen und sitzen, wie wir reden, was wir tragen, wie wir essen, was wir trinken. Das Regionalfernsehen zwinkert uns durch seine Linsen zu. Und auch die hohen Herren lächeln uns an. In farbigen Seidenhemden die Einen, in korrekter Uniform die anderen. „Welche Rollen die Menschen wohl alle zu den Zeiten des Bürgerkriegs eingenommen haben?“, frage ich mich. Miterlebt haben sie ihn alle. So viel steht fest. Waren sie Verbündete oder Gegner? Sind sie nach dem Krieg an die Macht gekommen oder waren sie es zu allen Zeiten? Ich werde diese schattigen Gedanken trotz der Farbenfreude heute nicht los. Zu gern würde ich fragen, wie es geht, nach einem solchen Drama wieder zusammen zu sein. Brodelt es da hinter dem Vorhang? Oder haben alle das Leiden so satt, dass sie sich nach Friedlichkeit sehnen? Keiner kann mir meine Fragen beantworten. So bleibt mir einzig meine eigene Beobachtung. Wenn ich bedenke, dass bis 1998 von der Roten Khmer noch immer Minen hier im Norden ausgelegt wurden, dann ist das, was ich heute an Miteinander sehe wie das Leben von Stehaufmännchen.
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