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Auf ein Wiedersehen, Thailand / See you again Thailand

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Auf ein Wiedersehen, Thailand / See you again Thailand

22.12.2015 Sihanoukville / Kambodscha / N10°34’03.1“ E103°33’15.9“

Na hallo Du,
wo sind die Wochen hin, wo die Tage und Stunden? Warum vergeht das Schöne immer besonders schnell? Dabei war ich vorsichtig, an meinen ersten Tagen. Dir gegenüber. Nun, das scheint so eine Art von mir zu sein, neuem nicht gleich mit großer Euphorie zu begegnen. Ich muss immer erst mal sehen. Dazu gehört, alles Gehörte abzustreifen. Um meinen ganz eigenen unverstellten Eindruck zu gewinnen. Nun sitze ich einen Monat später wieder vor Dir. Wieder von außen und schaue erneut auf Dich. Mein Blick ist milder geworden. Mit einem kleinen Lächeln sogar. Dir zugewandt. Die Beine übereinandergeschlagenen. Thailand. Du bist mir wie die Mutter der Gegend. China ist eher der allmächtige Onkel, der überall mitmischt. Und sich lauthals Gehör verschafft. So bist Du nicht. Du strahlst etwas Mildes aus. Ja, Mütterliches. Du versorgst die Länder um Dich herum. Laos, Kambodscha und Myanmar. Millionen Landsleute Deiner Nachbarskinder gibst Du Arbeit. Leise geschieht das, fast lautlos. Ein eingespieltes System. Bei dem es mehr Gewinner denn Verlierer zu geben scheint. Denke ich an Dich, denke ich „Harmonie“. In den ersten Tagen erschienst Du mir ein wenig glatt, ohne Ecken und Kanten beinah. Du warst schön, doch ich konnte Dein Gesicht nicht sehen. Das, worin man das Leben sieht. Es gab zwischen uns keinen Knall. Kein Überschwappen der Gefühle. Ich spürte einfach, dass Deine Gegenwart mir gut tat. Und lernte es lieben, mich bei Dir wohl zu fühlen. Du bist nicht die der vielen Worte. Und der Lauten gleich gar nicht. Vielmehr scheinst Du begriffen zu haben, wovon Buddha einst sprach. Das Erleben selbst erleben. Seine eigenen Erkenntnisse und Einsichten daraus ziehen. Ja. Du hast in meinen Augen etwas Weises. Du gibst Raum, lässt gewähren. Scheinst zu akzeptieren was ist. Ich habe mich zu Dir gesellt. Du liest es geschehen. Wie Du zu mir stehst weiß ich nicht. Es ist Teil deines Geheimnisses. Das Königliche strahlt aus Dir hervor. Majestätisch wirkst Du in manchen Momenten. Doch darin liegt trotz allem Erdverbundenheit.

Sihanoukville / Kambodscha N10°34’03.1“E103°33’15.9“

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Du bist keine die über den Dingen schwebt. Deshalb schenke ich Dir meinen Glauben. Etwas Ehrliches geht von Dir aus. Weißt Du was? Wenn ich jetzt hier so sitze und über Dich nachdenke, Thailand, dann sehe ich Dich als das Gesicht der vielen Buddha-Darstellungen. Gelassen, entspannt, vom Schicksal wissend, durch Vieles gegangen, die Hoffnung nicht verlierend, dem Leben zugewandt. Du hast etwas Versorgendes, wie Du Dich mühst, es Deinen Menschen besser gehen zu lassen. Auch wenn Dir selbst immer wieder genommen wird. Wie es 2004 der Tsunami tat.  Dann gibt es da noch Deine andere Seite. Du feierst gern. Bist mitunter sogar Vergnügungssüchtig. Ziehst Leute an, die es Dir gleich tun. Dann geht es hoch her. Egal ob Tag oder Nacht.  Sinn für Ästhetik. Den hab ich schnell in Dir entdeckt. Über die Natur lässt Du Deine Hand des Geschmacks ebenso gleiten wie über Deine zahllosen Tempel. Ästhetik scheint für Dich viel mit Wohlfühlen zu tun zu haben. Zumindest ging es mir so, wenn Du mich durch Deine Tempel führtest oder wir an Deinen weißen Stränden lagen.  Als Mutter magst Du es sauber und aufgeräumt. Davon kannst Du Deinem Nachbarkind Kambodscha gern mal ne Schippe voll rüber reichen. Wäre schade, wenn dort in Zukunft nur noch Einwegpackungen auf den Pfützen schwämmen. Thailand, Du bist so oft in aller Munde. Das hat mich anfangs fast abgeschreckt. Nun bin ich froh, Dich kennen gelernt zu haben. Werde ich in Zukunft meine innere Mitte suchen, wird es nicht ausbleiben, dass ich an Dich denke. Du strahlst Größe aus, ohne protzig zu sein. Du magst die stille Einkehr wie das ausgelassene Feiern. Das macht Dich für mich authentisch. Vieles liegt noch hinter Deinem ruhigen Gesicht. Von dem Du mich nichts wissen lassen wolltest. Das ahne ich. Es ist, was mich reizt. Thailand. Ich bin noch nicht fertig mit Dir. Eines Tages stehe ich wieder in Flip-Flops vor Deiner Tür. Bin gespannt auf unsere zweite Begegnung.

Ban Buang / Thailand

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Unser Schrein / Our shrine

21.12.2015 Ban Buang / Thailand / N13°12’39.2“ E101°14’36.2“

 

An der Kreuzung halten, um eine Blumenkette zu kaufen. Das ist uns wichtig. Schließlich führt unser Weg heute an Bangkok vorbei. Bei dem Verkehr dort kann es nie schaden, sich noch ein wenig zusätzliche Unterstützung in den Leo zu holen. Zwei Schutz-Ketten hängen da schon. Inzwischen verwelkt zwar. Doch wir mögen sie, so wie sie aussehen. Also bleiben sie. Wäre ja ne tolle Kiste, würden wir alles Welke immerzu durch Frisches im Leo ersetzen. Weiß gar nicht, ob wir dann noch lange mitfahren dürften... Mit durchschnittlich sechzig Kilometern pro Stunde bewegen wir uns vorwärts. Das klingt nicht viel, fühlt sich in der Fahrerhauskabine aber ganz anders an. Als rasten wir an allem vorbei, was wir vor drei Wochen schon einmal sahen. Oder auch nicht. Der simple Spruch, dass der Wechsel der Perspektive anderes sichtbar macht, bestätigt sich für uns heute auf jedem gerollten Meter. Mitunter meinen wir, hier noch nie gewesen zu sein. So neu kommt uns vor, was vor unseren Augen aus der Momente-Torte springt. Am Morgen ein gemütliches Frühstück am Meer. Fahrt durch grazile Palmenwälder. Passieren von Lastern voller gestapelter Ananasfrüchte. Suppenküchen an jeder Ecke. Ich bemerke, wie sich mein Blick wandelt. Ich spüre, dass diese Bilder bald nicht mehr mein Alltag sein werden. Als adelte sie dies, nehme ich sie als besondere Schätze wahr. Finde sie nicht einfach „schön“. Sondern messe ihnen einen Wert bei, der über das Maß des Gefallens weit hinausgeht. Ich genieße die kostbaren Augenblicke, gieße ihnen Formen in meiner Erinnerung, in denen sie sich gemütlich betten können. Warum nur bekommen die Dinge für uns einen so unvergleichlich größeren Wert, wenn wir um ihre Vergänglichkeit wissen, und spüren, dass die Sanduhr sich leert? Ist es die Wehmut, die sich dem Ganzen beimischt? Das Sehnen, das einzusetzen scheint, obwohl wir noch da sind? Mir singt sich heute den ganzen Tag Cluesos Titel „Zu schnell vorbei“ durch den Kopf. „...Ich trau’ mich kaum die Augen zu schließen, ich werd’ in Zukunft nichts verpassen, wachsam bleiben und genießen.

Ban Buang / Thailand N13°12’39.2“E101°14’36.2“

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Will jeden Moment erleben. Heute ist der Tag von dem wir später reden.“ Mir ist, als sei der Liedtext für uns geschrieben worden. Vor einem Jahr konnte ich mich kaum von dem lösen, was mich zu Hause umgab. Nun werde ich wohl nen prallen Rucksack voll Fernweh bei mir tragen, wenn ich den Ort betrete, von dem aus unser Erleben vor zwölf Monaten begann. Bei jedem Hügel, jeder Delle und Kurve scheppert und klimpert er ein klein wenig. Unser Schrein. Im Laufe der Zeit ist er mehr und mehr gewachsen. Er erzählt seine eigene Geschichte von unserem Unterwegssein. Zu Anfang hingen unsere zwei kleinen Zwerge und drei Glücksengel da. Geschenke, unserer Familie und Freunde. In der Türkei kam das blaue Glasauge dazu, um uns vor missgünstigen Blicken zu schützen. Ein Feuerwehrmann aus Teheran hängte eine Feuerpuppe dazu. Zum Nationalfeiertag der Kasachen trug jedes Fahrzeug ein braun-orange gestreiftes Band. Wir auch. Ein Junge schenkte uns für ein Brot, was wir ihm gaben, in Ost-Kasachstan seinen kleinen, selbst gebastelten, Drahttraktor. Ein russischer Schamane überreichte uns ein Medaillon, was seinen Platz an unserem Schrein fand. In der Mongolei gesellte sich ein ausgedienter Kinderstiefel dazu. Der Knöchelknochen eines Wolfes, ein Geschenk an Sten vom Lehrer aus dem mongolischen Dorf Dundus. Er ist eine ganz besondere Liebesbezeugung. Max, unser junger Freund, schenkte mir seinen Kasachstan Anhänger. Er und seine Familie sind Kasachen, die seit vielen Generationen in der Mongolei leben. Doch ihr Nomadenherz schlägt für beide Völker. An meinem Geburtstag kam ein Paar holländischer Miniaturholzschuhe von Guido und Lilian dazu. Ein rotes Band aus einem buddhistischen Tempel in China schlang sich in die Gruppe, ein blauer Schal der Tibeter auch. Eine kleine chinesische Laterne leuchtet uns heim und ein Buddha aus Thailand begleitet mit seiner Energie unseren Weg. Das rote Herz und eine gläserne Weltkugel begleiten uns, seit wir Petra und Rüdiger aus Berlin kennen gelernt haben. Ein Schrein, ursprünglich das Wort für eine einfache Holzkiste. Die dem Schreiner seinen Namen schenkte. Wurde der Begriff jedoch seit dem 12. Jahrhundert auch als Ort zur Aufbewahrung sakraler Reliquien verwandt. Unser kleiner Schrein ist keine verschließbare Kiste und sakral ist er auch nicht. Obwohl... Unser Schrein beschützt uns und ist ein für uns bedeutsamer Teil der Geschichte unserer Reise.       

 

Planänderung / Change of plans

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Planänderung / Change of plans

20.12.2015 Bang Saphan / Thailand / N11°12’14.3“ E099°32’00.0“

Lange, lange ist klar, dass unser Zielort Singapur sein würde. Der letzte Punkt, den wir auf unserer Strecke von Deutschland aus nach Osten auf dem Landweg erreichen können. Dort soll es für Leo auf ein Schiff gehen, so dass er nach Deutschland zurück reisen kann. Wir wollen fliegen. Soweit die Idee, so der Gedanke.
Unterwegs lernten wir mehr in Richtungen, denn in Zielen zu denken. Singapur war nicht das große Ziel. Singapur war für uns eine Möglichkeit, um Leo wieder nach Hause zu bringen. Im Laufe der Zeit wurde es uns immer weniger wichtig, einen ganz speziellen Punkt zu erreichen, wenn sich denn unterwegs etwas ganz anderes als anziehend entpuppte. Dann lernten wir Menschen kennen, durch Zufall. Dann führte uns der Weg an Orte, die uns unvergessen wurden. Denken in Richtungen. Rechts und links die Blumen der Varianten betrachten, Gelegenheiten zulassen, ohne dass wir im Zielerausch nen Tunnelblick bekommen. Weil wir zu sehr diesen einen imaginären Punkt ansteuern. Und dabei die Kostbarkeiten am Wegesrand übersehen. Vor Wochen lernten wir Anton aus Seattle kennen. Wieder so ein Zufall. Einfach so, auf der Straße. Er ist es, warum wir heute unseren Weg nicht weiter nach Süden fortsetzen, um über Malaysia Singapur anzusteuern, sondern ne saubere Kehrtwende hinlegen. Unsere liebe Paula am Flughafen verabschiedend. Die schönen, gemeinsamen Tage mit uns nehmend, den Leo besteigend unseren Weg gen Norden einschlagen. Hui, wie lange ist es her, dass wir dieser Himmelsrichtung folgten? Monatelang immer gen Osten, später neunzig Grad Knick und ab in den Süden. Nun also Norden. Ich bin einverstanden. Denn kalt ist es hier nicht. Auch wenn die Nachttemperaturen von 28 auf 24 Grad abgekühlt sind. Den Wintermantel kann ich getrost weiter hängen lassen. Zum Glück. Uns tut es nicht leid, den Plan zu kippen. Wir fühlen uns wohl bei dem Gedanken, den Leo noch ein Weilchen hier in der Gegend zu lassen. Neues kann sich ergeben. Ganz in Ruhe. Und mit Bedacht. Für uns stehen Fahrtage auf dem Programmzettel. Kilometerlang einer Route folgen, welche wir schon einmal erfahren haben. Nun wollen wir sie uns von der anderen Seite ansehen.

Bang Saphan / Thailand N11°12’14.3“E099°32’00.0“

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Perspektivwechsel total.  Währenddessen begegnet uns ein Auto voller Kokosnüsse und obenauf zwei Affen. Arbeiter ohne Schutzhelm und Sicherheitsgurt. Sie sind es, die die Kokosnüsse von den Bäumen holen. Darauf trainiert, sie herunter zuwerfen, statt sie selbst zu knacken.  Da halten wir an, weil... weil die Schallgrenzen-artige Zahl von 40.000 auf unserem Display erscheint. 40.000 Kilometer sind es heute genau, die wir auf unserer gesamten Fahrt hinter uns gelassen haben. Das sind exakt 3.333,33 Kilometer pro Monat oder durchschnittliche 111,11 Kilometer pro Tag. Einmal um die ganze Welt. Die Erde an ihrer prallsten Stelle umarmt. Wir haben eine Idee von ihr bekommen. Sind dankbar für die Einsichten, die sie uns schenkte und von innen berührt. Unterwegs ständig neu entschieden, Routen geändert, Vorstellungen korrigiert. Angekommen sind wir immer. Bei uns selbst in jedem Fall. Ich liebe sie. Planänderungen.

Bilderbuchtag / A day like a picture-book

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Bilderbuchtag / A day like a picture-book

19.12.2015 Khok Klo / Thailand / N08°15’21.6“ E098°16’49.1“

Irgendwann musste es ja so weit kommen. Ob gewollt, verwünscht, gehofft, ersehnt, weg geschoben oder ignoriert. Dieser eine Tag, an dem wir alles zum ersten, oder eben in unserem Fall zum letzten Mal tun. Die Beine im Sand ausstrecken. Das lange Frühstück genießen. Die Stunden heranrollen lassen und wieder davon schwimmen. Zeit haben füreinander. Zeit verbringen miteinander. Das Jahr war lang. Gemessen an der Menge des Erlebten. Und das Jahr war definitiv kurz, von hinten betrachtet. Viele Bahnen sind wir geschwommen, im Laufe der letzten Monate. Hin und her. Immer wieder. Heute nun, die letzte Körperrolle am Beckenrand. Darauf zu schwimmen, anschlagen, den Körper gekonnt drehen, mit den Füßen kraftvoll abstoßen, lange gleiten lassen, Luft holen, nächster Schwimmzug. Wir trullern in unserer Bahn herum. Haben keine Lust, am Beckenrand anzukommen. Denn dann, unweigerlich, wird uns die Kehrtwende abverlangt. Jeder nimmt ein Ende in die Hand und zieht, was das Zeug hält. Wir dehnen den Tag wie er nur zu dehnen geht. Und doch wird aus dem schattigen Morgen, dem sonnigen Vormittag, dem stechend heißen Mittag, dem angenehmen Nachmittag, dem lauen Abend irgendwann schwarzfinstere Nacht. Da zünden wir einfach nen großen Ballon an. Hängen alle Drei unsere Wünsche daran und lassen das Licht gemeinsam fliegen. Lange gleitet es übers Meer, von unseren Augen verfolgt, bis es vom Dunst der Nacht verschluckt wird. Samt unserer Wünsche. Mehr Licht muss her. Genau das Richtige für Sten unseren Pyromanen. Ein Feuer, wie es zur Walpurgisnacht kaum größer sein kann, erhellt augenblicklich unseren Strand. Das Papier des gesamten vergangenen Jahres verbrennen wir. Eintrittskarten aus Pergamon, Hefte aus Korinth. Zeitungen von vor einem Jahr aus Deutschland. Und immer wieder die kleinen Blätter des Abreiß-Kalenders. Da ist der 11. Mai. Der mir auf seiner Rückseite erklärt, dass die Eismassen der Antarktis die Landmasse so weit nach unten gedrückt haben, dass der größte Teil des Festlandsockels unter dem Meeresspiegel liegt. Oder der 13. Juni. Der weiß wie groß das größte fahrbare Motorrad ist. Nämlich 3,42 Meter hoch am Lenker und 6,18 Meter lang.

Khok Klo / Thailand N08°15’21.6“E098°16’49.1“

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Na gut, dass ich da noch mal nachgelesen habe. Wäre mir sonst möglicherweise entfallen. Was wir an diesen beiden Tagen im Mai und Juni gemacht haben? Vermutlich irgendwo auf unsere Verteilergetriebereparatur gewartet. Und Spaß dabei gehabt. So langsam misten wir aus, räumen auf, entsorgen, verschenken oder geben die ersten Dinge Paula mit nach Hause. Wir können uns die Augen zuhalten, um nicht zu sehen. Und doch. Es ist unser letzter gemeinsamer Tag hier mit Paula. Und es ist unser letzter entspannter Strandtag im Süden Thailands. Es hilft nichts. Mutig Hand an die Bande und Körperdrehung, langes Gleiten lassen, dann atmen. Morgen treten wir den Rückweg an. Mit unserem heutigen Bilderbuchtag im Gepäck.

Thai Massage ist … / Thai massage is die massage

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Thai Massage ist … / Thai massage is die massage

18.12.2015 Khok Klo / Thailand / N08°15’21.6“ E098°16’49.1“

Sein Netz geschultert, den Blick gesenkt, watet er durchs Wasser. Langsam. Bis es tief genug scheint. Meter für Meter lässt er das Gewicht von seinen Armen gleiten. Ausgelegt, um Krebse zu fangen. Der Fischer am Morgen. Andere rennen über den Strand. Im Zickzack. Haken schlagend wie Hasen. Im Kegel ihrer Taschenlampen. Das ist Krebse fangen am Abend. Ein lustiges Spiel. Zumindest für uns, die als Fans in der ersten Reihe stehen. Muscheln sammeln, um sie in Händen zu halten. Die Hände schmeicheln der Muschel und umgekehrt. Strandlauf. So ein Sehnsuchtsding. Das Wasser zieht den Sand unter unseren Füßen hervor. Als wolle es sagen: „Wart mal kurz, ich muss da ran“. Das Rauschen im Ohr, den Wind in meinen Haaren. Ich sehe und kann doch nicht genug bekommen. Warum gibt es Orte wie diesen? Sind sie für das Sehnen erdacht? Der Sand ist uns Gefährte. Wo wir sind, ist er schon da. Soll er doch. Er ist mein unverbesserliches Sommergefühl. Dieser feinweiße Staub meiner Träume.
Auf ihn legen wir uns, alle Drei. Wie Sardinen. Jeder in seiner eigenen Büchse. Ein Bambusgestell trennt uns vom Sand. Also. Erst der Sand, dann Bambus darauf ich. Ach nein. Dann war da noch der Masseur. Irgendwie hatte ich Hoffnung, ne Frau abzubekommen. Dachte, der Chef knöpft sich Sten vor. Hm, doch nicht. Schade. Massage war gut. Doch entspannen konnte ich nicht. Blitzlichter: Wir drei beim Bummel durch die Lädchen. Wir drei beim Suppe löffeln am Straßenrand. Wir drei schnippeln Gemüse im Sand. Wir drei singen gemeinsam Lieder am Strand. Der Tag ist eine opulenter. Ohne Feuerwerk macht er es nicht. Also gut. Ukulele zur Seite gelegt, und den Kopf verdreht, ums Feuerwerk zu sehen. Sten kommt fast einmal um sich selbst herum. Nach seiner Massage am Morgen. Vielleicht wurden ihm die Knochen dabei entfernt. Denn „Thai massage is die massage“,wie sich der Chef am Morgen sicher war.

Khok Klo / Thailand N08°15’21.6“E098°16’49.1“

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Fels in der Brandung / Solid as a rock

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Fels in der Brandung / Solid as a rock

17.12.2015 Khao Lak / Thailand / N08°40’26.1“ E098°14’32.8“

Der alte Mann beginnt zu erzählen. Eine kurze Hose ist sein Kleidungsstück. Braun gegerbt seine Haut. Als sei sie aus Leder. Einer Rüstung gleich. Wie er barfuß vor uns steht scheint mir, als erführen wir mehr von ihm, als über das Leben Buddhas, von dem er da redet. Die Geschichten sind nicht neu , doch aus seinem Mund bekommen sie eine spezielle Nuance. Als spräche er von seinem Nachbarn, dem Königssohn. Ganz vertraut scheinen die beiden miteinander. Er und der einst kleine Siddhartha, der, in Nepal geboren, schon nach fünf Minuten seine ersten sieben Schritte auf Lotosblüten setzte. Aus dem Mund des Alten klingt dies so selbstverständlich als wolle er sagen, er gehe eben mal Milch holen, an der nächsten Ecke. Los lässt er Paula und mich nicht. Immer wieder findet er einen Engel auf einem der Wandgemälde, den uns zu zeigen ihm wichtig ist. Einmal mehr durchzieht mich das wohlige Gefühl, nicht in einem abstrakten, Klimaanlagen gekühlten „Museum“, sondern ganz nah am Leben zu sein. Auf dem Tempelhof werden Autos repariert, rollt einer mit seinem Suppen-Karren vorbei. Schlurft ein Mönch von Schatten zu Schatten. Sitzen andere dösend unter den Bäumen. Khao Lak. In meinen Ohren DER Urlaubsort, will man nicht direkt Phuket bevölkern. Früher stand hier Strandhütte an Bastmatte. Jetzt gibt es Hotels. Wird uns erzählt. Unser eigener Eindruck ist besser als unsere Vorstellung es war. Noch immer gibt es kleine Lädchen mit vielen bunten T-Shirts, gemütliche Kneipchen und Suppentopfküchen. In den Strohhütten im Sand werden Rücken und Beine massiert. Das der Strand vor gut zehn Jahren viele Meter weiter im Meer lag, kennen wir nicht. Doch wir stellen uns vor, wie der Tsunami zwei Reihen an Palmen mit sich riss. Das Wasser durch die Gässchen schoss und Glück hatte, wer einen der nahen Hügel erklomm. Wir folgen mit unseren Blicken der „Evakuierungsroute“. Überall sind die blau-weißen Schilder präsent. Ihnen zu vertrauen hilft, sich im Ernstfall nicht im Kreis zu bewegen. Beklemmung lässt uns still werden. Wir reden über das was an unerträglicher Grausamkeit den 250.000 Opfern und ihren Angehörigen am 26. Dezember 2004 hier wiederfuhr. Und auch denen, die mit einem übergroßen Schrecken davon kamen. Doch wir sind heute hier. So, wie wir an jedem andern Punkt dieser Welt stehen könnten und niemals wissen, was als nächstes geschieht. Wir entschließen uns, die Gedanken nicht wegzuwischen, doch ihnen keine Macht über uns zu geben. Es nützt niemandem. Den Opfern nicht. Uns ebenso wenig. „Alle Gebäude des Tempels riss das Wasser damals mit sich“ erzählt uns der alte Mann. „Einzig Buddha war es, der Stand hielt.“ Wie ein Fels in der Brandung saß er da, als das Wasser ging.

Khao Lak / Thailand N08°40’26.1“E098°14’32.8“

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Affenzirkus / Circus of the monkeys

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Affenzirkus / Circus of the monkeys

16.12.2015 Bang Muang / Thailand / N08°48’34.1“ E098°15’11.0“

Das Wasser schlägt gegen die schwimmenden Tonnen. Die Wellen schwappen überall hin. Aufgeheizt von den vorbeirasenden Booten. An Schlaf ist nicht zu denken. Dann lieber Augen auf und den Morgen empfangen. Ich liege auf dem einen Meter paralleler Bretter, die sich zusammen geschmiegt Terrasse nennen. Wochenlang schwammen mir diese „letzten Tage“ durch die Gedanken. Tage mit Paula. Unser Übergang von „noch hier“ zu „bald da“. Nun sind sie angelandet. Ich koste sie aus. Sie schmecken nach Staub und Sonne, auch nach Wind und Meer. Sie haben den Klang der singenden Mönche und der kichernden Kinder. Ihre Töne sind fremd und gleichsam vertraut. Ein Cocktail aus Räucherstäbchen, Mango Shakes, gebratenem Irgendwas, dampfenden Töpfen am Straßenrand, auch Schweiß ist dabei, beginnt sich in meinem Erinnern einzunisten. Der Geruch unseres Reisens. Gerade eben kommt wieder eine Cocktail-Wolke vorbei gezogen. Während ich hier liege, auf den schwankenden Brettern. Den Himmel im Blick. Das Frühstück. Na ja. Ein einziges Ei. Doch dafür nett in Herzform gebraten. Satt macht mich heute nicht das Essen. Doch das Rasen über den See. Meine Ohren betäubt vom Scheppern des Motors. Dem Bild tut es gut. Es wäre sonst vor lauter Schönheit des Kitsches kaum auszuhalten. Wie sie sich winden miteinander. Der Kalkstein und seine rankenden Bäume. Graublau der Dschungel als aufgebrochene Linie am Horizont. Davor, die Statik kaum bemühend, in fein abgestimmtem Kontrast, die versteinerten Gebilde, die in ihren Formen für mich DAS Sinnbild „Südostasien“ sind. Der See, ein Geschenk. Doch bei weitem nicht geschenkt. Natur ist hier Wirtschaftsgröße. Die Art und Weise. Nicht wirklich mein Stil. Jeder Meter per Boot, jedes Handtuch in der schwimmenden Hütte, selbst das Ei in Herzform, eine Gelddruckmaschine. Okay, macht ihr hier euer Ding. Wir tun es auch und ziehen weiter. Quer durchs Land. Dem Leben auf der Spur. Durch Dörfer, die verschlafener kaum wirken können. Selbst die Hunde gähnen mit großer Geste, beim Räkeln im Schatten von Leo. Uns ziehen die Klostertempel. Mal nicht die Gold-Rot-Bunten, im Saft ihrer Pracht stehenden. Mehr die Leisen. Die, zu denen die Spenden nur spärlich tröpfeln und der Aufbau länger dauert.

Bang Muang / Thailand N08°48’34.1“E098°15’11.0“

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Wo die schwarze Kugel geduldig auf ihren Goldanstrich wartet. Die, sonst von Farben verwöhnte, Naga-Schlange sich in Betongrau am Geländer emporschlängelt. Die erzählenden Bilder zu Buddhas Leben erst noch gemalt werden wollen. In seiner Einfachheit mag ich den Tempel. Er ist wie ein Reden auf Augenhöhe. Etwas weiter sitzt Buddha in Mitten einer Höhle. Löwen sind um ihn und Elefanten. Der große freie Platz scheint der „Waldpredigt“ gewidmet. Alles in Stein gehauen. Doch die Vorwitzigen, mit ihren langen Schwänzen, geschickten Greifarmen, gelenken Körpern, rennen um die Wette, springen meterweit von Baum zu Baum. Mopsen sich das orange Kissen vom Mönch. Aus Fleisch und Blut sind die Chefs hier am Ort. Zirkus der Affen. Was für ein Affenzirkus.

schwimmend gebettet / Floating bedded

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Schwimmend gebettet / Floating bedded

15.12.2015 Khao Sok NP / Thailand / N08°58’41.1“ E098°49’19.4“

Aus Grün wird grüner. Aus geraden Wegen erheben sich Hügel, winden sich Kurven, zeigen was geht. Die Küste im Rücken, den Dschungel vor Augen. Ich liebe den Blick aufs Meer. Kann mich nicht satt sehen an der scheinbaren Unendlichkeit. Langeweile kommt mir nicht auf. Fast süchtig bin ich nach den sich schlängelnden Linien des Ufers. Dem Bild, welches den Sommer im Herzen trägt. Das Rauschen ist mir Bedrohung und größtes Wohlgefühl in einem. Doch selbst das Allerschönste kann seinen Reiz nur wahren im Abwenden. Dann, wenn das Sehnen beginnt. Abrupt geht es ins Innere des Landes. Einen See wollen wir treffen. „Chiao-Lan-See“ ist sein Name. Im Khao Sok Nationalpark ist er zu Hause. Versteckt hinter bizarren Formen, eingenistet in die Unzugänglichkeit des Regenwaldes. Selbstgefällig, stolz, sich seiner Wirkung mehr als bewusst. Vor 60-140 Millionen Jahren erhob sich hier gähnend, rekelnd der Meeresboden. Er zeigte seine kreative Ader. Die Stunde der „Freiform“ hatte wohl in diesen Zeiten geschlagen. Kalksteingebilde, Träumen entsprungen. Die Schwester der vietnamesischen Halong-Bucht erblickte das Tageslicht dieser Welt. Unzugänglichkeit, sich selbst überlassen. Hängende Wälder scheinen sich an die Felsen zu krallen. Ließen sie los, wären sie früher ins saftige Grün ihrer Kumpanen gefallen. Heute krachten sie ins Wasser des aufgestauten Sees. Über uns bewachsene Steine, neben uns und unter uns auch. Wir schwimmen auf dem Wald. Wir fahren über ihn hinweg. Sind uns, die Spitzen sehend, bewusst, dass unter unserem Boot die Geister des Waldes hausen. Versteckt in tiefen Buchten. Die Decke des Sees gibt ihnen wieder Ruhe. Hoffe ich. Früher waren sie ungestört. Kein Mensch konnte jemals zu ihnen dringen. So geschickt hatte es der Boden damals, in seiner Entstehung angestellt. Der Mensch meinte schlauer zu sein. Er will einfach überall hin. Geht es laufend nicht, versucht er es mit schwimmen. Wasser musste her. Viel Wasser. 1982 wurde ein Staudamm gebaut. Einhundertfünfundsechzig Quadratkilometer nennt er sein Eigen. Zur Elektrizitätsgewinnung. Doppelt so groß wie der Chiemsee, pflegt man zu sagen. Wie ein Band schlingt er sich um Felsen und Buchten. Schlängelt sich in Ritzen, schwappt seine Wellen in Höhlen, lässt einhundert kleine Inseln entstehen. In unserem „Ruea Hang Yao“, dem Langschwanzboot rasen wir über die Waldgeister hinweg. Der Wind tut gut. Unsere Haare nehmen die Waagerechte ein. Sie sind erst wieder bereit sich zu legen, als der laute Bootsmotor sein Tempo verringert, um an einem der schwimmenden Hüttendörfer anzulanden. Wankend finden wir unser Zimmer, schaukelnd liegen wir auf der Terrasse. Wir Drei. Zusammen. Schwimmend gleiten wir in den plätschernden Traum.

Khao Sok NP / Thailand N08°58’41.1“E098°49’19.4“

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Sendepause / Deathly silence

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Sendepause / Deathly silence

14.12.2015 Patong / Thailand / N07°55’00.4“ E098°17’03.7“

Zeit gemeinsam. Stunden zusammen. Gedanken werden zu Worten, ergeben Sätze, mitunter einen Sinn. Für Monate nur Bilder im Kopf. Sitzen wir uns Auge in Auge gegenüber. Seit Langem. Was ist geschehen in den Zeiten dazwischen? Was davon hat Bedeutung. Was genau bedeutet es? Für wen und wofür? Verbindung knüpft sich langsam und stürmisch, umspült vom Schwall des Gesprochenen. Zöpfe werden neu geflochten. Die Bänder der nahen Vergangenheit wehen mit hinein.
Dem Erlebten seinen Raum geben. Den Geschichten ihren Hall. Ein Jahr ist kurz. Ein Jahr ist lang. Der große Blick sagt: „Schnell vergangen“. Das Auseinandernehmen der Tage legt Labyrinthe frei. Schachtelberge an Episoden. Die zu stapeln, umzuwerfen, neu zu ordnen geschieht im Erzählen. Drei Leute. Familie kommt zusammen. Jeder balanciert seinen eigenen Schachtelturm. Wir kippen zusammen und fischen heraus. Immer wieder andere Deckel öffnend. Entdecken, verknüpfen, zerlegen, nachfragen, zuhören, schweigen. Sendepause nach Außen. Bewegung im Innen.

Patong / Thailand N07°55’00.4“E098°17’03.7“

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Sie ist da / She was coming

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Sie ist da / She was coming

13.12.2015 Patong / Thailand / N07°55’00.4“ E098°17’03.7“

Vor Wochen sehe ich mich verschwitzt im Leo sitzen. Die Internetverbindung ist löchrig. Der Prozess bricht eins ums andere Mal ab. Ich bleibe dran. Will mein Labtop nicht zuklappen bis ich den Hinweis lese „Ihr Vorgang wurde erfolgreich abgeschlossen“. Die Wärme des Tages staut sich in unserem kleinen Wohnraum. Labtop und meine Körperbatterie tun ihr übriges dazu. Das Licht entzieht sich dem Tag. Es macht dem Mondschein Platz. Jedem seine Bühne. Nur auf meiner tanzt gerade niemand. „Ihr Vorgang wurde wegen Zeitüberschreitung abgebrochen“, lese ich wieder und wieder. Kann doch auch nichts dafür, dass hier ein TukTuk als Internetverbindung von A nach B zu dienen scheint. Draußen rennen Kinder um den Leo herum. Sten sitzt am Feuer. Ich sitze auch. Und warte. Beharrlichkeit scheint sich auszuzahlen. Irgendwann gibt das System nach. Lässt meine Zahlung passieren. Erklärt sie für erfolgreich vollzogen. Der Flug ist gebucht. Ich bin erleichtert. In drei Monaten wird sie kommen. Unsere Tochter. Auf Besuch. Das liegt scheinbare Ewigkeiten zurück. Die Wochen sind verflogen. In denen der Tag ihrer Ankunft als bloßes Datum einen Notizzettel bemühte. Mit einem Mal hat er sich heran gearbeitet, ist näher gekommen, zum greifen nah. Heute. Wir stehen mittendrin. In diesem Datum, das lange Zukunft schien. Ihre Ankunft würde unser beginnender Abschied sein. Vom Reisen. Nicht endgültig. Die letzte Runde wurde vom Stadionsprecher eingeläutet. Da lässt sich nichts dran deuteln. Nun. Spielt heute keine Rolle. Der Gedanke darf kurz aufflammen. Wird aber gleich wieder in den Kühlschrank gestellt. Seine Zeit ist noch nicht gekommen. Und gut. Baustelle am Flughafen. Gedränge, Geschiebe, lautes Rufen und hektisches Gestikulieren. Für alle scheint hier Platz. Nur für uns nicht. Leo bewegt sich, als sei er ein Elefant unter Ameisen. Als wolle er sagen „Kann auch nichts dafür, dass ich so groß bin“. Doch Eindruck schindet das bei den Männer mit ihren Wink-Elementen nicht. Weiter. Weiter. Hier nicht und da auch nicht. Kein Fleckchen zum Halten. Uns wird’s irgendwann zu bunt. Wir stoppen. Schalten die Warnblinkanlage an. Schließen ab und gehen. Sollen die doch wedeln wie sie wollen. Und siehe da, keiner interessiert sich mehr für uns.

Patong / Thailand N07°55’00.4“E098°17’03.7“

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Flughäfen betreten als Nicht-Passagier, kann man offensichtlich seit langem nicht mehr. Zumindest entlang unserer Reise. Jede Eingangstür, von Kasachstan bis Thailand wird durch Lichtschranken und aufmerksamen Personals überwacht. Ohne Ticket kein Zutritt. Anzeigen über landende Flugzeuge braucht es hier draußen auch nicht. Total geheim, das Ganze. Das schärft die Beobachtung. Jeden Passagier, jedes Pärchen, jede Familie schaue ich mir ganz genau an. Ein Gesellschafts-Kammerspiel wird aufgeführt. Ohne dass irgendjemand ne Eintrittskarte von mir sehen will. Frei Haus Lieferung. Die gelangweilten Halbwüchsigen, die aufgeregten Mütter, die müden Kleinen, die erwartungsfreudigen Männergruppen, die, um den Eindruck des Überblickwahrens, bemühten Familienväter, die tattrigen Omis und rüstigen Opas.  Alle, alle spielen ihre Rollen mit Brillanz. Das Outfit stimmt, die extra neu gekauften bunten Allzweckschuhe spielen mit. Die schnell noch zum Friseur-Frisuren wippen, exakt geschnitten, in der Sonne. Ich habe meine Freude, genieße meinen Spaß. Merke kaum, dass ich seit zwei Stunden auf den Ausgang starre. So spannend ist, was vor sich geht. Und verpasse beinahe als sie kommt. So wenig konnte ich damit rechnen, dass es nun doch irgendwann so weit sein könnte. Sie ist da! Die Freude ist groß auf beiden Seiten. Sie ist da. Nach einem ganzen Jahr.

Das ganze Bild / The entire image

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Foto

Das ganze Bild / The entire image

12.12.2015 Phuket / Thailand / N08°11’12.2“ E098°17’18.2“

Wir habe Termine, Termine..., sind es kaum noch gewöhnt, uns zu einer ganz bestimmten Zeit an einem ganz bestimmten Ort einzufinden. Doch heute, heute muss es sein. Sonst laufen wir Gefahr, in aller Eile mit unseren Köpfen vor ne verschlossene Glastür zu rennen. Das gibt unschöne Beulen und verschwitzte Abdrücke am geputzten Glas obendrein. Also los. Keine Zeit vertrödeln. Oder doch. Hier ein kleiner Stau, dort ein Wasserrohrbruch, der den Verkehr zum Stillstand bringt. Da eine Art Baumarkt, der uns zum X-ten Mal versuchen lässt, einen Öl-Sprüher mit Druckanschluss zu erwerben. Kennt natürlich auch hier keiner der an die einhundert Verkäufer. Als habe jeder Artikel im Sortiment seinen ganz eigenen Paten. So stehen sie dicht an dicht im klimatisierten Verkaufsraum herum. Vielleicht binden sie sich auch alle nur Schürzen um, die sie augenscheinlich berechtigen der Hitze draußen zu entkommen. Wer weiß. Für uns wird die Zeit knapp. Wir sollten weiter. Doch hier noch ein Kaltgetränk und da noch ein gegrilltes Hühnerbein. Was sein muss, muss sein. Phuket. Wir kommen, um unseren gelben Umschlag in Empfang zu nehmen. Und siehe da. Keine Beule am Kopf und auch kein Fettfleck an der Scheibe. Die Tür öffnet sich wie von selbst für uns. Ein Mann, in Gelb und Rot, überreicht uns in seinem DHL Büro, ganz Gelb und Rot, unseren Umschlag. Auch er Gelb und Rot. Selbst was drinnen steckt ist Gelb. Geht’s hier immer noch um des Königs Tag der Geburt? Montag, der gelbe Tag? Wohl nicht. Die neuen Carnets sind da! Wohlbehalten. Unsere freundliche Frau beim ADAC hat sich für uns ins Zeug gelegt. So dass wir pünktlich die Erlaubnis in Händen halten, mit Leo noch nicht außer Landes zu müssen. Ein Jahr geht eben manchmal schneller um als man glaubt... Mit DHL in Deutschland hatten wir schon so manche Hürde zu nehmen. Hier im Ausland klappt es reibungslos. Das soll vielleicht so sein. Unser Tagwerk ist vollbracht. Der Umschlag hat uns gefunden. Der Öl-Sprüher noch nicht. Wir brauchen ihn, um Leo unten herum mal wieder richtig zu pflegen. Die Salzluft setzt ihm zu. Eine Schrauber-Werkstatt fällt uns ins Auge. Ob die so was haben? Sie haben, und wollen uns ihr gutes altes Stück sogar verkaufen. Wir schlagen ein. Na der Tag hat sich gelohnt. Gleich zwei Dinge, die wir auf die Reihe bekommen haben. Phuket. Ein Name ist eben nicht alles. Ohne hier gewesen zu sein, waren wir nicht in Thailand. Wir mögen das ganze Bild.

Phuket / Thailand N08°11’12.2“E098°17’18.2“

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Verflochten / Intertwined

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Verflochten / Intertwined

11.12.2015 Khok Klo / Thailand / N08°15’21.6“ E098°16’49.1“

Zwei Nächte wollten wir bleiben. Elf sind es mit einem Mal geworden. Das Resort „Khanom Hill“ ist für uns wie zu einem kleinen zu Hause geworden. Genau der Ort, um sich entspannt auszustrecken und mit dem Verdauen zu beginnen, was wir da elf Monate lang in uns hinein gefuttert haben. Schwere Brocken sind darunter. Da ist ne Menge Verdauungssaft von Nöten. Uns ist, als bräuchten wir drei weitere Mägen, um den Brei der Unglaublichkeiten auch nur annähernd verarbeiten zu können. Begreifen, was geschah, ist schwer. Selbst schon für uns. Wie sollen uns dann andere verstehen? So viel Leben ist in uns. So viele Geschichten sind durch unsere Empfindungen gewandert. Das ruft nach Ruhe. Das nimmt sich Raum. Anderen Reisenden von uns zu erzählen fällt leicht. Wir genießen das uns Mitteilen und Zuhören in diesen Tagen. Da gibt es viel Gemeinsamkeit, die sich wie automatisch teilt und mitteilt. Und zu Hause? Fast „fremdele“ ich ein wenig. Als sei ich ein drei Monate altes Kind. Lasse mich gerade nur von Mama hoch heben. In meinem Fall ist „Mama“ die Welt hier draußen geworden, die mir vertraut und nah gerückt ist, wie ich es niemals für möglich gehalten habe. Wo fange ich später an zu erzählen? Oder bleibe ich erst mal still? Will niemanden zuschütten mit meinem Zeug. Zu wertvoll ist mir, was ich sah. Vielleicht stellt irgendjemand ne konkrete Frage? Und ich bekomme Lust mich hinzuzusetzen und beginne zu erzählen? Vielleicht dauert alles. Nichts überhasten. Alles zu seiner Zeit. „Go with the flow“. Auch im hektischen Deutschland. Oh man bin ich gespannt! Straßen sind gesperrt. Im ganzen Land. Polizei ist im Einsatz. Da können sich die Ampeln heute aber mal abstrampeln wie sie wollen mit ihrem Rot und Gelb und Grün und Pfeile rechts, Pfeile links. Keinen Menschen interessiert das. Die Trillerpfeifen und Sonnenbrillen der Ordnungshüter haben das Sagen. Da bekomme ich schon mal nen mahnenden Blick vom Polizisten zugeworfen, wenn mein angewinkeltes, nacktes Bein im Leo-Fenster zu sehen ist. „Doch nicht am Tag des Königs Events!“ Und Sten hat schleunigst die Kreuzung zu räumen. Rumbummeln ist nicht. Sonst geht es raus aufs Rad! Sechshunderttausend Menschen in ganz Thailand steigen heute auf ihre Räder.

Khok Klo / Thailand N08°15’21.6“E098°16’49.1“

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Die Omi vielleicht nur für fünf Kilometer. Die Frauen mit ihren Hidschabs, der muslimischen Kopfbedeckung, und nem Fahrradhelm obenauf, fahren auch mehr. Einige wenige gönnen sich ne zweihunderter Distanz. Doch die Länge der Strecke ist egal. Das Gemeinschaftsgefühl ist, was zählt. Einhunderttausend Radler waren es allein in Bangkok. Vierundachtzig Straßen wurden dort für die neunundzwanzig Kilometer durch die Stadt gesperrt. Der Kronprinz führte das gelbe Rudel an. „Bike For Dad“ ist das Motto, welches die Massen heute mobilisiert. Ein gesundes, mobiles Volk. Darum geht es, anlässlich des 88. Geburtstags seiner Majestät König Bhumibol Adulyadej. Selbst in Frankfurt hat das Königliche Thailändische Generalkonsulat zur fünf Kilometer Radtour geladen. Würde mich glatt interessieren, wie viele dort gekommen sind.  Ich werde zwischen die Gruppen der gelb Gekleideten gestellt. Bestimmt ein lustiges Bild, was wir Frauen da abgeben. Die einen mit Helm, die anderen mit Hidschab und ich daneben. Als Glücksbringer der ganzen Gruppe. Wäre tatsächlich gern ein Ründchen mitgefahren. Na, hab wenigstens mal nen Lenker gehalten.  Abends mag ich meine Haare nicht kämmen. Sie sind geflochten. Als Andenken. Heute Morgen beim Frühstück kam meine Resort-Freundin, nachdem sie uns den Kaffee und die gebratenen Eier serviert hat, mit Kamm und Gummis in Händen und fing an mir die Haare zu flechten. „For you“, „My present“ war alles was sie sagte und legte los. Wie geht das nur? So nah, so vertraut, so selbstverständlich. Mit ganz wenigen Worten. Einfach von Herz zu Herz. Super pathetisch und trotzdem wahr. Ich fühle mich verwoben mit ihr. Auf eine geheimnisvolle, stille Weise.

Kraft der Tage / Power of the days

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Kraft der Tage / Power of the days

10.12.2015 Khanom / Thailand / N09°08’09.6“ E099°52’38.2“

 

In Meditationshaltung sitzt Buddha. Seine Beine ineinander verschränkt, die Hände entspannt in den Schoss gelegt. Handflächen zeigen nach oben, gen Himmel. Es ist Donnerstag. Buddhas Tag der Meditation. „Dharma Tage“ nennen sich im Buddhismus die sieben Tage der Woche. Der Dharma-Lehre Buddhas folgend. Die Anhänger Buddhas schrieben ihm, vor rund eintausend fünfhundert Jahren, den Gedanken zu, dass Buddha an den einzelnen Wochentagen Spezielles tat. So erhielt jeder einzelne Tag ein besonderes Handeln. Gleichwohl schmücken sie sich mit den Farben des Dharma-Rads, dem Rad der Lehre. Heute ist Donnerstag. Der Tag trägt Orange und Buddha meditiert. Für Sten und mich enthält der Montags-Buddha eine ganz besondere Kraft. Es ist der „Tag des Friedens“ und trägt die Farbe Gelb. Aufrecht stehend hält Buddha seine rechte Hand in Brusthöhe. Die Handfläche zeigt weg von ihm. Übel und Krankheit wendet er somit ab. Bedeutsam, in den Tempeln, ist nicht unbedingt der Buddha des Tages, welchen wir gerade haben. Vielmehr geht es um den eigenen Tag der Geburt. Man wendet sich diesem Buddha zu. Schenkt ihm seine ganze Aufmerksamkeit. Und ja, meinem Montags-Buddha fühle ich mich inzwischen innerlich sehr verbunden. Sehe ich einen, ist es, als träfe ich einen guten Freund. Am Dienstag ist Buddhas Tag der Ruhe. Auf der rechten Seite liegend, sich mit dem linken Arm am Kopf abstützend, symbolisiert diese Haltung den Übergang ins Nirwana. Den Raum der Erleuchtung. Rosa schimmert dieser Tag. Der Mittwoch, die Woche teilend, trägt zwei Bedeutungen und damit auch Symbole und Farben. Stehend, um Almosen bittend, finden wir ihn am Vormittag. Die Hände sind dabei übereinander gelegt als empfingen sie gerade. Manchmal halten sie auch eine Almosenschale. Grün ist dieser Vormittag. Hellgrün der Abend. Dann, wenn Buddha gemeinsam mit einem Elefanten und Affen im Wald zusammen sitzt, die ihm Speisen und Getränke brachten. Seine rechte Hand liegt dabei auf dem Knie, die linke ruht auf dem Oberschenkel. Weiter zum Freitag springend, sehe ich einen Buddha, der mir gegenüber steht und seine Hände, die Linke über der Rechten, vor der Brust kreuzt. Zeit für innere Einkehr, gibt mir dieser Freitags-Buddha zu verstehen.

Khanom / Thailand N09°08’09.6“E099°52’38.2“

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Blau ist die Farbe der Einkehr. Am Samstag ist der purpurne Tag des Schutzes. Meditierend sitzt Buddha seit Tagen am Boden. Hinter ihm spreizt der König der Nagas seine sieben Köpfe aus. Und beschützt ihn auf diese Weise vor Regen und einer Naga-Schlange. So dass Buddha in Ruhe seine Meditation fortsetzen kann. Zu guter Letzt der Sonntag. Als Tag der Achtsamkeit wird er gelebt und hüllt sich in rote Farbe. Mit geöffneten Augen steht Buddha in entspannter Haltung. Die Hände kreuzt er vor seinen Oberschenkeln. Rechts über Links. Nach seiner Erleuchtung, so die Bedeutung der Haltung, machte Buddha den ersten Schritt und erkannte die Welt. Die Farbe des amtierenden Königs in Thailand ist Gelb. Ich dachte bisher immer, dass damit die Monarchie generell transportiert wird. Lag damit aber offensichtlich vollkommen falsch. Es ist die Farbe des Tages, an dem König Bhumibol geboren wurde. Ein Montag. Und genau deshalb trägt das ganze Land Gelb. Dann wurde seine Frau, mit ihrer blauen Flagge, wohl an einem Freitag geboren. Die Farben unserer Kinder sind Gelb, Grün und Blau. Ihre Symbole die Haltungen des Friedens, des Empfangens und der Einkehr. Ich mag diese Qualität, welche einem jeden Wochentag somit geschenkt wird. Es ist, als läge ab jetzt ein neuer Wert, eine besondere Kraft in jedem unserer Tage. Und Leo, Orange wie er ist, wurde demnach an einem Donnerstag geboren.          

 

 

 

Abenteuer / Adventure

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Abenteuer / Adventure

09.12.2015 Khanom / Thailand / N09°08’09.6“ E099°52’38.2“

Das Meer scheint. Die Sonne rauscht. Die Schmetterlinge quaken und die Frösche schimmern bunt. Meine Morgen-Yoga Übungen liegen hinter mir. Die ersten geschwommenen Runden im Pool auch. Ich spüre meinen Puls. Kann die Schlagzahl der Adern sogar sehen. Mein Blick verfängt sich im Himmel. Meine Gedanken schweifen ab. Dahin, wo der Gegensatz kaum größer spürbar wird. Ich, vor einem Jahr. Aufgeregt und aufgelöst. Mich selbst kaum wieder erkennend. So nervös hat mich unser Vorhaben gemacht. Am Himmel erscheinen mir Gänsebraten mit Thüringer Klößen und nem kräftigen Schwaps Bratensoße. Verdammt. Was hab ich für nen Appetit darauf! Doch das Essen schmeckt nur richtig gut, wenn es draußen kalt und ungemütlich ist. Auf der Soße schwimmen meine Erinnerungen zu unserer Abschiedsfeier mit unseren Freunden. Das war an diesem Wochenende vor einem Jahr. Wir kamen zusammen, um danach auseinander zu gehen. Jeder seiner Wege. Jeder in ne andere Richtung. Als stünden wir gemeinsam auf ner großen Lichtung mit haufenweise Pfeilen, Wegen, Trampelpfaden und Dickicht rundum. Wir zwei hatten uns fürs Dickicht entschieden. Daraus wurde irgendwann, viel später, ein Weg. Wohin sind alle anderen gegangen? Finden wir uns wieder? Erkennen wir uns noch? So zerkratzt wie wir aussehen, so eingestaubt und verschwitzt. Passen unsere Geschichten zueinander? Finden wir eine gemeinsame Sprache? Oder einfach was ganz Neues? Miteinander. So ist das mit den Kreuzwegen. Wir gehen sie verdammt noch mal allein. Jeder von uns. Bin gespannt darauf, ob sich irgendwo ne nächste Lichtung auftut. Auf der wir uns erneut begegnen. Oder einzelne Bäume, an denen wir stehen, um aufeinander zu warten. Unsere Freunde haben uns das ganze Jahr hindurch begleitet. Es war, als erinnerten wir gemeinsam ganz stark das letzte Bild, als jeder sich umdrehte und ging. Jetzt werden wir das überschreiben. Bin tierisch gespannt auf das erste neue Bild. Ist alles vertraut und wir setzen da an, wo wir aufhörten zu sprechen? Wie gut verstehen sich unsere Worte einander nach einem Jahr, das alles und nichts veränderte? Meinen die gleichen Begriffe dann dasselbe? Die Reise geht zu Hause weiter. Und das Abenteuer auch.    

 

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Endentspannung / Final relaxation

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Endentspannung / Final relaxation

08.12.2015 Khanom / Thailand / N09°08’09.6“ E099°52’38.2“

Am Ende meiner anderthalbstündigen Yoga Sessions gehen wir immer in „Shavasana“, die Endentspannungshaltung. Ich lege mich dann auf meiner Matte auf den Rücken. Ganz eben, völlig gerade. Strecke Arme und Beine lang von mir. Richte die Handflächen nach oben. Atme ruhig. Und scheine von Minute zu Minute tiefer in meine Matte zu sinken. Alles was war schwindet in weite Ferne. Ich fühle mich wie ein Stein. Als wöllte ich mich nie wieder bewegen. Die Endentspannung ist das, worauf ich mich in jeder Yoga Stunde schon vorher freue. Doch um es tatsächlich in aller Ausgiebigkeit genießen zu können, brauche ich die Aktivität, die Bewegung, die Anstrengung und auch Überwindung in den einzelnen Übungen zuvor. Und dann, dann irgendwann höre ich die wundervollen Worte: „Legt euch entspannt zurück. Macht es euch bequem. Lasst alles los und locker. Es gibt nichts zu tun. Als jetzt hier zu liegen und zu entspannen.“ „Ent-spannen“ sagt ja eben auch, dass ich zuvor „ge-spannt, an-ge-spannt, in Spannung“ war. Und möchte mir nun zum Gegenteil verhelfen. Gegensatzpaare. Ein wunder-volles Wort, wie ich meine. Gegensätze sind zwei Pole einer gleichen Sache. Es geht um Kontroverse, ein Spannungsfeld. In jedem Fall um Energie. Da ist etwas verschieden. Unterschiedlich zueinander. Und genau DAS macht das PAAR aus. Wie zwei Pole, die sich anziehen oder abstoßen. Es wirken Kräfte. Das Paar im Gegensatz. Klingt nach getrennt sein. Ist für mich jedoch eine unglaublich stabile Verbindung. Eine Symbiose, die miteinander eingegangen wird. Mozarts Musik bezieht seine magische Anziehung aus der Spannung des Kontrasts. Wir genießen den strahlenden Sonnenschein heute am Nachmittag. Gerade WEIL am Vormittag die Welt im Wasser des Regens zu versinken schien. Wir sind im Shavasana Stadium unserer Reise angekommen. Wir haben uns unglaublich viel bewegt. Uns hat viel bewegt. Nun spüren wir nach. Denken wir nach. Hören dem Hall der vergangenen Monate zu. Und sind uns dessen bewusst, dass die Kontraste weiter gehen. „Shavasana“ ist ein Abschluss. Und zugleich der Übergang zur nächsten Aktivität.  

 

 

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Gelb oder Weiß / Yellow or white

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Gelb oder Weiß / Yellow or white

07.12.2015 Khanom / Thailand / N09°08’09.6“ E099°52’38.2“

Mit Otto, Rüdiger, Petra, Ines und Bert sitzen wir seit Stunden zusammen und reden, reden, reden als wäre es das erste Mal auf unserer Reise. Die Geschichten sprudeln, die Episoden bahnen sich ihren Weg durch unsere Erinnerung. Wie ein Jahr fühlt sich das nicht an. Als sei all das auf unserer einen Erde geschehen, auch nicht. Im Bikini sitze ich nun hier und erinnere die Tage winterlich dick eingemummelt in der Türke am Mittelmeerstrand laufend, mit Kopftuch verhüllt gemütlich am Boden sitzend in Iran, bei einer Nomadenfamilie die Kuh melkend in Kirgistan, mit den mongolischen Frauen in der Jurte zusammen hockend und gegorene Stutenmilch trinkend oder mit einem Chinesen zusammen auf einem freien Platz zu krächzender Bandmusik tanzend. Bilder bestürmen mich. Zu jedem gibt es einen Schwall Geschichtensahneschaum obenauf. Der Abend in unserer gemütlichen Runde verfliegt nur so und trägt mit sich all die Worte weg, die unseren Mündern entfleuchen. Jeder hat seine Eigenen beizusteuern. Otto, der am Strand wohnt, Rüdiger und Petra, die sich einst mit dem gleichen Architekten ein Holzständerhaus bauten wie Sten. Ines und Bert, die Fotografen, die vor ein paar Jahren einmal in unserem Büro waren. Da ein digitales Kamerarückteil, von der Jenoptik entwickelt, von Art-KON-TOR designt, vorgestellt wurde. Wie klein ist denn bitte die Welt dann doch wieder? Drei Mal um die Ecke gefragt und schon hat man nicht nur die gleiche Vorliebe für Königsberger Klopse, weil die Vorfahren von Bert, ebenso wie meine, aus Ostpreußen stammen. Zufall, Schicksal, Vorsehung. Oder wie immer du auch heißt, ich könnte dich heute wieder einmal so was von umarmen und gebe dir nen festen, liebevollen Kuss voll auf deinen Fügungs-Mund. Weiße Gesichter, immer wieder. Auf dem Markt, in den Straßen. Egal wo. „Haben die Frauen eine Krankheit, so dass sie sich ihre Gesichter mit irgendetwas Weißem überdecken?“, frage ich mich, ohne es laut auszusprechen. Dagmar, die mit uns unterwegs ist, errät meinen Gedanken trotzdem und erzählt davon, dass es in Thailand dem Schönheitsideal entspricht, weiße Haut zu haben. Dabei treiben es die Menschen hier auf die Spitze und schützen nicht einfach nur ihre Haut vor der Sonne, so dass sie hell bleibt.

Khanom / Thailand N09°08’09.6“E099°52’38.2“

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Nein, sie streuen sich gleich weißen Babypuder in ihre Gesichter. Ich finde den Anblick mitunter extrem lustig. Sieht es eben manchmal so aus, ab ob die Leute in einer Mehlwolke standen. „Der Puder schließt die Poren. So dass man nicht mehr schwitzt und keine glänzende Gesichtshaut hat“, erklärt mir Dagmar weiter. Er bleibt so lange auf der Haut, bis er von selbst verschwindet. Dann wird nachgepudert.  Die einen haben weiße Gesichter und die anderen gelbe. Das ist der Unterschied zwischen Thailändern und Burmesen. „Thanaka“ heißt die gelblich weiße Paste, die aus der Rinde des indischen Holzapfelbaums gewonnen wird. Auch „Birmanisches Make-up“ genannt. Vierecke, Kreise, Linien, Kringel. Alle nur denkbaren Formen streichen und malen sich die Burmesen auf ihre Wangen und Stirn, aber auch die Nase oder das ganze Gesicht. Die Burmesen sind die größte Gruppe an Ausländern, die in Thailand leben und arbeiten.  Drei Millionen Gastarbeiter aus Laos, Kambodscha und Myanmar soll es hier geben. Neben den vierundsechzig Millionen Thailändern. Für Thailand sind es wichtige Arbeitskräfte in den schlecht bezahlten Jobs. Für die Länder wiederum, aus denen die Menschen kommen, ist es eine nicht unerhebliche Wirtschaftsgröße, dass die Leute im Ausland arbeiten, ihren Familien das Geld nach Hause schicken, wo es momentan keine vergleichbaren Arbeitsmöglichkeiten gibt. Hier in Khanom leben so viele Burmesen, dass sie ein Mal pro Woche ihren ganz eigenen Markt abhalten. Bunt gemixt sind die Gesichter der Besucher. Viele Weißgepuderte und gelb Angemalte.

Nikolaus / Nicholas

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Nikolaus / Nicholas

06.12.2015 Khanom / Thailand / N09°08’09.6“ E099°52’38.2“

Ein Tag wie ein Geschenk. So einer aus dem Bilderbuch. Von denen man sagt, die gibt es nur im Film oder in unseren Träumen. Ein laues Windchen zwirbelt sich zwischen den Palmen, Bananenstauden, Mangobäumen und Regenwaldgewächsen hindurch. Die Vögel haben ihre Morgen-Chorprobe begonnen. Die Frösche der Nacht sind verstummt. Das Meer. Vom Bett aus kann ich es sehen. Es blinzelt mir zu. Ich deute die Zeichen. Sie rufen mich. Bikini an, ein Tuch um meinen Körper gewickelt, die Yogamatte unter den Arm geklemmt stehe ich Augenblicke später mit meinen Füßen im warmen Sand am Strand. Eine Bucht, ganz für uns allein. Die Wellen treiben ihren Spaß mit den Felsbrocken im Wasser. Es sieht spielerisch aus. Zumindest heute. Zumindest in meinen Augen. Den Augenblick genießen. Er ist der Einzige, den wir haben. Ich weiß das schon lange. Doch heute erlebe ich die Bedeutung in seiner vollkommenen Breite und Tiefe und Höhe und Länge und Stärke. Meine Yogaübungen sind mir die pure Freude. Kitschig eigentlich. Wie ich da im weißen Sand vor mich hin turne. Das türkisfarbene Wasser vor mir. Den blauen Himmel über mir. Sähe ich das Bild als Foto. Ich würde meinen, „Photoshop“ hätte es mal wieder ein wenig übertrieben. Der Tag fließt dahin. Wir sonnenbaden. Wir reden. Wir schweigen. Wir lesen. Wir sehen geradeaus. Wir sind uns bewusst, dass die Tage endlich sind, an denen wir eine Vollkommenheit, dieser gleich, erleben werden. Und sind nicht traurig darüber. Dankbar vielmehr und erfüllt. Können die Schönheit umso tiefer empfinden, gerade weil unser Reiseende naht. Ihr geliebten Kontraste... Was wäre nur ohne euch? Am Abend sitzt ein kleiner, aus einer Tomate geschnitzter, Schwan auf meinem Teller. „I have made it for you!“ sagt die Kellnerin mit ihrer tiefen Stimme stolz lächelnd zu mir. Mit ihr habe ich schon seit Tagen meine Freude. Sie kennt meine Vorliebe für Mangos und legt mir auf jeden Teller ein paar Stück extra darauf. Sie weiß, dass Obst meine Schokolade ist und verwöhnt mich damit so oft sie kann. Was freue ich mich über die Geste mit dem kleinen Schwan! Wie sie da steht und die Worte konzentriert formuliert, damit ich sie in ihrem Thai-Englisch gut verstehen kann. Doch ich verstehe sie vor allem ohne Worte. Ihre Augen glänzen und strahlen mich, bis in mein Herz hinein, an.

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Unsere Flip-Flops blieben den ganzen Tag leer. Obwohl wir meinten, sie geputzt zu haben. Außer ein paar zufälligen Sandkörner hat sich nichts hinein verirrt. Doch ein Geschenk bekamen wir. Zu groß, um in irgendeinen Schuh zu passen. Es ist der Tag, den wir behutsam ausgepackt haben und noch immer davor sitzen und uns freuen. Danke Nikolaus.

Vatertag /Day of the father

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Vatertag /Day of the father

05.12.2015 Khanom / Thailand / N09°08’09.6“ E099°52’38.2“

Es ist Sonnabend. Und es regnet. Ein stiller Tag. Keiner der sich anfühlt nach „Bäume ausreißen“ und „Karren aus dem Dreck ziehen“. Die Bewegungen sind langsam. Stockend werden die Kulissen an uns vorbei geschoben. Es sind mehr Zweifachbilder, die hin und her bewegt werden. Um so die Bewegungen der Palmen im Wind zu simulieren. Dazwischen wird ab und an die „Filmbrause“ betätigt und wir fühlen direkt die Regentropfen auf unserer Haut. Yoga am Strand. Unwirklich schön. Ob ich es jemals wieder genießen kann, in einem geschlossenen Raum mit künstlicher Beleuchtung meine Yogaübungen zu machen? Wohl werde ich mir dann die erinnerten Bilder in meine Vorstellung spiegeln. Sten läuft einfach mal los. Ein Friseur soll unweit einen kleinen Laden in einer bunten Hütte betreiben. So nah scheint es dann wohl doch nicht zu sein. Gemessen an der Zeit, die er weg bleibt. Sein „tatatata“ wirkt umso eindrucksvoller auf mich, als er angesprungen kommt, als hüpfte er gerade frisch aus einer Sahnetorte. Strahlend erzählend, was in den letzten Stunden alles los war. Der lange Weg. Ohne sichtbare Hütte eines Friseurs. Der Eine, der Mitleid hatte und ihn auf dem Mofa mitnahm. Der Zweite, der dann tatsächlich Lust hatte, heute Friseur zu sein. Mit Kopfmassage und Rasierklingen Kunststückchen. Der Dritte, der ihm ne Kokosnuss verkaufte. Eine von den ganz frischen. Direkt von der Palme. Der Vierte, der Sten nicht mitnahm weil es verboten sei, aber nen Moped Profi schickte. Der Fünfte, der ihn dann knatternd wieder bei uns absetzte. Der Tag, so normal, als lebten wir inzwischen hier. Doch normal ist heute gar nichts. Wir haben uns nur einfach ausgeklinkt. Heute ist „Vatertag“ in Thailand. Heute hat der König Geburtstag. Heute wird seine Majestät König Bhumibol achtundachtzig Jahre alt. Als wir uns Abends doch noch ein wenig unters Volk mischen, wirkt, trotz des abnehmenden Lichts, alles sonnig. Die Menschen auf den Straßen tragen zu Ehren ihres Königs gelbe T-Shirts. „BIKE FOR DAD“ steht auf den meisten drauf. Der dreiundsechzig jährige Sohn des Königs und Kronprinz ist dabei ein landesweites Radrennen zu Ehren seines Vaters zu organisieren. In einer Woche soll es starten. Ob alle mitfahren bleibt offen. Doch das Sympathie T-Shirt trägt jeder.

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Sten überrascht sich selbst zum „Vatertag“ auf seine ganz eigene Weise. Käfer, Maden, Raupen und Heuschrecken tummeln sich frisch zerknackt in seinem Magen. Wie es da gerade zugehen mag? Ob die noch umherkriechen und ihn von innen kitzeln?

Jetzt / Now

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Jetzt / Now

04.12.2015 Khanom / Thailand / N09°08’09.6“ E099°52’38.2“

Die zwei Frauen stehen vor dem Geisterhäuschen. Sie beten, stellen frisches Wasser hinein, entzünden Räucherstäbchen. Sie tun es, wie an jedem Tag, um die Geister gut zu versorgen und sie somit milde zu stimmen. Am Straßenrand, vor jedem Gebäude, stehen sie, die Geisterhäuser. Um die Geister, die von der Straße aus kommen, im kleinen Geisterhaus zu empfangen, so dass sie nicht den Wunsch verspüren, in die Wohnhäuser zu kommen. Und diejenigen, die zum Haus gehören fürsorglich zu pflegen. Nun sind wir am Meer. Da ist alles anders herum. An der Straße steht nur ein kleines Geisterhäuschen. Das Entscheidende findet sich an der Seite zum Meer. Die Wassergeister sind es wohl, die es zu besänftigen gilt. Überall auf dem Dschungel Grundstück hier am Meer finden sich bittende und hoffende Gesten. Mal sind es gelbe Bänder, um die Bäume gewickelt, dann wieder Buddha Statuen. Aufgestellt nach einem ganz speziellen System. Es geht nicht um Ästhetik. Es geht um den Schutz und die Zeichen der positiven Energie, die ich überall bemerke. Und meine sie zu spüren. „Golf von Thailand“. Das klingt nach seichten Wellen, in Sonnenlicht getaucht. Kann sein. Doch nicht immer. Jetzt ist hier Regenzeit. Was bedeutet, dass sich Stunden herrlichsten Sonnenscheins und Vogelgezwitscher mit Starkregenzeiten voll aufgebrachter Wellen und sich im Wind biegenden tropischen Urwaldgewächsen abwechseln. Als wir Anfang Oktober Laos von China aus betraten, erlebten wir in diesen Tagen dort das Ende der Regenzeit. Unsere gesamte Zeit in Laos, Kambodscha und dem nördlichen Teil der Bucht des Golfes von Thailand herrschte Trockenzeit. Wir scheinen also der Regenzeit hinterher gefahren zu sein und haben sie nun im südlichen Zipfel Thailands wieder eingeholt. Die Urgewalten des Wetters sind ein Moment unserer Reise, der uns am stärksten deutlich macht, wie wenig wir selbst an Entscheidung und Steuerung in Händen halten. Und wie stark wir von dem abhängen, was unser Planet uns von innen und außen vorgibt. War es der tagelang währende Buran-Sturm in Kasachstan, waren es die Sandstürme in Iran und Kasachstan, die plötzlichen Schneeeinbrüche in Iran, die lange Hitzeperiode verbunden mit atemberaubenden Gewittern in ganz Südostasien, oder eben nun erneut die Regenzeit im Süden von Thailand.

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Unsere Erde ist so unglaublich vielseitig, was ihre Wettergelüste angeht. So dass ich glaube, um uns kleine Menschenwesen geht es da zu allerletzt. Wir machen durch unser Tun manches noch viel dramatischer als es sein müsste, mit unserem unbedingten Verpesten der Wasser und Lüfte. Mit unserem Abgeholze riesiger Flächen an Regenwald. Der hier der Kautschukproduktion zum Opfer fällt. Doch wenn die Erde einmal meint alles, wirklich alles durch die Gegend zu schleudern, dann macht sie es einfach. Ohne Vorwarnung, ohne zu fragen. Dann stehen wir Menschen einfach fassungslos da und werden uns des Ausmaßes unserer tatsächlichen OhnMacht bewusst. Die Tragödie des Tsunamis vom Dezember 2004 gehört, neben vielen anderen Ländern, in Thailand zum Schicksal des Landes. Als wären wir nicht wirklich in Thailand gewesen, hätten wir nicht Überlebende dieses Infernos getroffen, sitzt uns ein Paar aus Deutschland gegenüber und erzählt uns von seinen unfassbaren Erlebnissen dieses 26. Dezember 2004 und der darauf folgenden Tage. Wie sie damals Urlaub machten in Thailand. Was für ein wunderschöner Morgen es war. Wie die Frau von einer unbeschreiblichen Panik ergriffen wurde, als sie sah, dass sich das Meer drei oder vier Kilometer weit zurück zog. Mag es Schicksal oder Vorsehung gewesen sein. Hatte sie doch gerade einen Tag zuvor ein Buch über Tsunamis ausgelesen und sah plötzlich mit ihren eigenen Augen, was in dem Buch beschrieben stand. Das war die Rettung für sie und ihren Mann. Sie schmissen sich auf ihr Moped, welches immer Startschwierigkeiten hatte, jedoch an genau diesem Tag sofort ansprang und fuhren, so schnell es ging irgendwo hin. In der Hoffnung, dem zu entkommen, was da von hinten auf sie zurollte. Sie schafften es, den Abstand zwischen sich und der Welle auf dreihundert Meter zu halten. Der Mann fuhr, soweit das ging, durch das zunehmende Chaos an Flüchtenden. Seine Frau beschrieb von hinten, wie sich die Welle mehr und mehr aufbaute und er doch bitte, bitte versuchen solle schneller zu fahren. Auf einer Anhöhe, neben einem Wasserfall, konnten sie sich rettend zurückziehen und blieben dort zwei ganze Tage lang ohne Essen. In der Angst, dass nach den drei Wellen noch weitere folgen könnten. Alles liegt so unfassbar nah beieinander. Das Wunderschöne und das Brutale. Das Raue und das Milde. Wir alle wissen zu keinem Zeitpunkt, was tatsächlich im nächsten Moment geschieht. Das macht mir keine Angst. Doch es lässt mich ehrfürchtig sein. Bei allem was ist. Es lehrt mich ganz automatisch, im JETZT zu sein.

Neue Mischung / New mix

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Neue Mischung / New mix

03.12.2015 Khanom / Thailand / N09°08’09.6“ E099°52’38.2“

Ich lebe gerade in vollkommenem Luxus. Ich gönne mir Zeit zu haben. Und nehme sie mir. Ich weiß noch genau, dass mich zu Anfang des Jahres ein schlechtes Gewissen beschlich, wenn ich mir eingestand, nun plötzlich Zeit zu haben. Als ob es ein Qualitätsmerkmal wäre, wenn man keine hat. Immer beschäftigt. Viel in Terminen. Oft verabredet. Das ist normal. Das muss so sein. Dann gehört man dazu. Oder etwas in der Art. Ich weiß es nicht. Es war eben so.
Heute erinnere ich dieses Gefühls von vor Monaten. Und setze es mit dem in Beziehung was gerade ist. Wir laufen am Meer entlang. Lange. Wir schauen uns die genialen Formen der tropischen Blätter an. Ausgiebig. Wir sitzen am Meer und schauen aufs Wasser. Einfach so. Und fühlen uns verdammt noch mal gut dabei. Der Druck, etwas zu müssen, ist verflogen. Okay, wir sind dem, was zu Hause ist, momentan ein ganzes Stück weit entrückt. Wir werden vielleicht nicht mehr mit allem kompatibel sein, was zuvor war. Wird sicher ein Weilchen dauern, bis wir unseren Platz wieder finden.
Nicht den alten, nicht denselben. Doch irgendwo wird er sein. Wir haben große Lust Dinge zu tun. Sie in die Hand zu nehmen. Voran zu bringen. Es ist nicht so, dass wir von nun an ausschließlich unsere Füße in Sand drücken werden. Das wollen wir nicht. So sind wir nicht gestrickt. Doch wir haben mehr als eine Ahnung davon bekommen, wie es ist, mit uns selbst im Klaren zu sein, unser eigene Haut zu lieben und das was da drin steckt. Dieser Eindruck sitzt tief. Ist nicht nur so ein wenig eingeritzt. Er hatte Monate Zeit, um uns zu prägen. Bin gespannt auf das Gemisch, welches sich ergibt, wenn wir uns wieder unter unsere Familie, unsere Freunde, unsere Jobs, unser Umfeld rühren. Bleibt alles beim Alten oder gibt es da ne neue Mischung für uns alle zusammen?

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Geschmacksknospenwiese / Taste buds meadow

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Foto

Geschmacksknospenwiese / Taste buds meadow

02.12.2015 Khanom / Thailand / N09°08’09.6“ E099°52’38.2“

Der Wecker klingelt. Der Wecker klingelt? Ja, er klingelt. Es ist sieben Uhr. Wir sind verabredet. Ein wunderschöner Morgen. Die Sonne lugt zwischen Bambus und Palmen hervor. Das Meer rauscht in seiner gleichmäßigen Art, als täte es nie anderes. Welle für Welle wirft sich auf den Sand, gleitet elegant über den Strand, in dem scheinbaren Wunsch, es ein klein wenig weiter nach vorn zu schaffen, als die vorangegangene Welle. Ist etwas dran am Mythos, dass jede siebte Welle höher anschwillt als die davor und danach kommenden? Ich versuche es zu beobachten. Zähle, schaue, verliere mich darin. Und kann es doch nicht wirklich sagen. Ich glaube, den Wellen ist es egal, ob es mal die Sechste oder Zweite ist, die das Rennen macht. Es ist ein Spiel. Kein Zehnkampf. Nur wir Menschen haben immer diesen Wettbewerbsgedanken in uns. Viele Jahre meines Lebens habe ich in meiner Jugend mit „Wettkämpfen“ zugebracht. Viele Medaillen haben sie mir eingebracht. Doch das Schöne für mich war eigentlich nicht das Gewinnen, sondern das Zusammensein mit den anderen Leuten aus meiner Trainingsgruppe. Ich nehme mal dieses Bild und übertrage es auf die Wellen. Sie haben einfach Freude daran, beieinander zu sein. Nicht mehr und nicht weniger. Mittwoch. Sieben Uhr am Morgen. Marktzeit. Beieinander sind sie auch hier. Sitzen unter lang aufragenden Palmenstämmen, die sich knarzend im Wind biegen. Oma mit Tochter, Mutter mit Sohn, Mann mit Frau. Sie alle haben etwas zu verkaufen. Ich wechsele immerzu hin und her. Mal habe ich die ganze Szenerie im Blick. Sehe den großen Sandplatz vor mir. Darauf rote, grüne und blaue Sonnenschirme verteilt. Darunter wackelige Holzgestelle, auf denen die Frauen und Männer mit verschränkten Beinen sitzen. Gehe dann mit meinem Blick näher heran. Sehe die vor den Beinen ausgebreiteten Pülverchen, Döschen, Kakerlaken- Fallen, Gemüsewurzeln, Grünzeuge, Rattengiftkugeln, Obststücken oder sonst etwas. Oft liegt das Gemüse auf dem Boden ausgebreitet. Darauf wartend, in Einkaufstaschen zu wandern. Massenhaft Töpfe und Schüsseln sind über den Marktplatz verteilt. Darin alle nur denkbaren Sorten an Chili- und Curry-Pasten, Suppen, Reisnudeln und viele kleine Näpfchen, aus denen sich die Leute bedienen.

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Um ihrer sowieso schon höllisch scharfen Speise noch ein wenig mehr Würze zu verleihen. Palmzucker sehe ich heute zum ersten Mal in meinem Leben. Aus den Blütenständen einer bestimmten Palmenart wird er gewonnen. Sie ist buschiger als die Kokospalme. Wohl auch nicht so hoch. Ein wenig wie „ungekämmt“ und „strubbelig“ sieht sie aus. Der Saft enthält 15% Zucker. Er wird als Sirup eingedickt. Hier in Khanom wird er in kleinen Tüten verkauft. Wie milchiger Honig sieht er aus. Es gibt ihn auch in kristalliner Form. Doch das scheint nicht unbedingt die Thailändische Art zu sein. Ist er trocken, wir er hier in Taler- oder Kleckerburg-Form verkauft. Ich laufe an abgezogenen rohen Froschkörpern vorbei, an Schweineköpfen, Fischschwänzen, Phönix-Füßen, Shrimps-Törtchen mit Fühlern und Panzern. In meinem Kopf schwirrt und summt es. Mein Magen springt mal an vor freudigem Appetit, mal krümmt er sich im Vorbehalt. Dagmar lebt seit mehr als zehn Jahren hier. Wir trafen sie im Resort. Sie kennt sie alle. Die getrockneten Fischkräcker zum Bier, die gallertartigen Mehltörtchen zum Tee, die Pasten zum Marinieren von Fleisch und Fisch. Früchte, die aussehen als seien es Birnen aber Guaven sind. Andere die wiederum aussehen wie Kartoffeln, aber nach Birne schmecken. Dagmar ist Deutsche und spricht Thai. Schwatzt mit den Marktfrauen, fragt nach, probiert selbst. Sie führt uns umher. Von Duft zu Geruch. Von Heilcreme zu Tintenfisch. Ich höre zu, erinnere Gesehenes, lerne neu, entdecke, koste. Lache den Leuten zu. Sie lachen zurück. Ausländer wie uns gibt es hier wenige. Khanom ist ein herrlich sich selbst überlassener Ort. Ich wünschte, er bliebe es.  Achim, Dagmars Mann, hat aufgetischt. Unter all den Leckereien fand er das Beste für uns heraus. Probierhäppchen-Frühstück. Wir wickeln aus, spießen auf, pellen heraus, knacken ab, puhlen drum herum. Meine Geschmacksknospen sprießen. Wie auf einer Wiese voller Frühblüher. Frühling in meinem Mund. Sommer in meinem Bauch.

Es darf / It can

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Es darf / It can

01.12.2015 Khanom / Thailand / N09°08’09.6“ E099°52’38.2“

Es darf auch einfach mal schön sein. Nicht staubig, kompliziert, gefährlich, umständlich, anstrengend, oder was sonst noch alles. Nein. Ganz simpel. Ganz unspektakulär. Schön. Vielleicht sollten wir lernen, mehr auf diese unaufregenden, keine Schlagzeilen erhaschenden Dinge Acht zu geben. Ihnen Raum und Gewicht schenken. Vielleicht verändert das auch die Inhalte der Zeitungen? Doch solange sich dieses, in meinen Augen, doofe Argument „Sensation verkauft sich gut“ hält, weil der Fakt selten zu entkräften ist, wird es wohl so bleiben, dass häufig über Negatives berichtet wird. Es somit ein Übergewicht erfährt, weil von dem Angenehmen und Positiven wenig die Rede ist. Wenn ich so darüber nachdenke, so bin ich in den letzten Wochen selten gefragt wurden: „Was war das Schönste in den vergangenen Monaten? Woran erinnert ihr euch gern? Was hat euch am meisten gefreut?“. Doch sehr oft: „Was war das Schwierigste? Wo war es am Gefährlichsten? Seid ihr überfallen oder beraubt worden?“. Klar, denkt man automatisch an mögliche Hürden eines solchen Vorhabens, stellt sich diese vor und fragt dann dementsprechend. Doch für Nachdenkens-wert halte ich das Phänomen in jedem Fall. Nun, wir haben beschlossen Thailand einmal von der Seite kennenzulernen, die so überaus reizvoll ist. Wir haben uns in ein Resort eingemietet. Direkt am Ufer des Meeres. Die Brandung vor den Ohren. Unendlich viele tropische Bäume und Gewächse um uns herum. Wasser fließt, Wind weht, der Wein schmeckt, die Klimaanlage kühlt unsere Gehirnwindungen, die Liegestühle sind famose, das thailändische Essen ein Traum, die Massagen vom Feinsten. Wir schlafen länger als sonst, da der Schatten im Zimmer es gut mit uns meint. Wir frühstücken ausgiebig, lassen den Tag kommen, ihn sein und wieder gehen. Wir verspüren keine Eile, keinen Drang, etwas tun zu MÜSSEN. Qualitäten, die uns unser protestantisches Leben nicht automatisch mit auf den Weg gegeben hat. Doch wir haben dazu gelernt. Dass jedes Tun auch sein Lassen braucht, jeder Sturm seine Ruhe. Wie die Flut ihre Ebbe. Es darf SCHÖN sein. Einfach so. Es darf.

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Der Mittlere Weg / The Middle Way

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Der Mittlere Weg / The Middle Way

30.11.2015 Khanom / Thailand / N09°08’09.6“ E099°52’38.2“

Montagsfrühstück. So ausgiebig wir wollen. So lange wir Spaß daran haben. Die Wellen geben den Rhythmus vor, unsere Herzen schlagen im Takt. Wir sind am Meer. Vor uns stehen Tassen duftenden Kaffees und Kakao. Zwei Frauen sind neben Bügeln, Abwaschen, Schwatzen und miteinander Scherzen um unser Wohl besorgt. Obst gibt es und frisch gebratene Eier. Die Palmen über uns machen Dehnungsübungen zum Morgensport. Die Hunde trotten gemächlich vorbei. Zum Bellen haben sie keine Lust. Ein paar schwere Regentropfen lösen sich aus ihrer Wolke. Sie machen den warmen Morgen noch ein wenig feuchter. Niemand ist auf der Straße. Keiner schwimmt im Meer. Montagmorgen. Und wir frühstücken so lange uns danach zu Mute ist. Der Tag kann einpacken. Sein großes Geschenk hat er uns schon ausgepackt. Was braucht es mehr als mit sich selbst in bestem Einvernehmen zu sein? Die Straßen sind leer. Wenig los auf dem schmalen Steg Thailands. Wo Myanmar keine zwanzig Kilometer fern ist. Ein Land was nach uns ruft und lockt. Doch nicht heute. Nicht heute. Pastell ist der Morgen angerührt. Der Tag wäscht den Pinsel nicht aus. Er belässt es bei den matt hellen Farben. Ab und an schickt er Starkregen, als wolle er die Erdoberfläche befeuchten wie Aquarellpapier. Gut gemeint. Vielleicht ein wenig zu gut. Okay. Das trocknet wieder. Seit Tagen werde ich den Gedanken nicht los, dass die Menschen auf die Erde eine Schutzschicht legten. Einst war alles Wiese, Wald, Sand und Wasser. Dann kamen wir Menschen und legten Betondecken darauf als Schonbezüge. Wie früher in einem neuen Auto. Man wählte sorgsam die Qualität der Sitze. Wusste um ihre Schönheit und Güte und warf wenig später zu ihrem Schutz trotzdem einen nicht so tollen Bezug darüber. Eine Kuriosität die in mir kreiselt. Vielleicht wollen wir Menschen das Schöne beschützen, indem wir Künstliches darüber bauen? Manchmal gelingt ein guter Wurf. Doch oft ist es eben nur ein weniger hübscher Schonbezug. Zum Glück reicht der Stoff nicht überall hin. Zum Glück gibt es Risse und Ränder und Löcher, in denen sich die wahre Schönheit der Landschaft weiter zeigt. Sie spielt auf, nun dreihundert Kilometer südlicher, schlägt Wellen und Wogen als habe sie Wind davon bekommen was Kraft bedeutet. Aufgeladen mit Energie kracht das Wasser auf das Ufer. 

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Überschlägt sich, springt Saltos, rollt Purzelbäume. Im Kontrast dazu der große goldene Mönch der Waldtradition des Theravada Buddhismus. „Theravada“ ist die älteste existierenden Schultradition des Buddhismus. In den dichten Dschungel ziehen sich die Anhänger der Waldtradition zurück. Um ihr Leben in Askese zu führen. Es heißt, dass die Ruhe die sie ausstrahlen selbst gefährliche Tiere davon abhält, ihnen etwas anzutun. Buddha selbst wandte sich einst ab von den Extremen. Er schuf die Idee des „Mittleren Pfades“. Dem Führen eines ausgeglichenen Lebens. Nachdem er an sich selbst die Zerstörung wahrnahm, zu der ein Leben in den Extremen führt. Seine Erkenntnisse beschrieb er mit folgenden Worten: „Alles Leben ist mit Leid verbunden“ „Die Ursache für Leid sind Gier, Hass und Unwissenheit“ „Das Leid kann überwunden werden“ „Der edle achtfache Pfad ist der Weg, der zur Überwindung des Leids führt“ Den achtfachen Pfad wiederum bestückte er mit den Gedanken:
Rechte Einsicht, Rechtes Denken, Rechtes Reden, Rechtes Handeln, Rechter Lebenserwerb, Rechte Anstrengung, Rechte Achtsamkeit, Rechte Sammlung.
Ich möchte dem zu Hause momentan so überstrapazierten Begriff der „Gutmenschen“ keine weiter ostasiatische Facette anhängen. Doch werde ich seit Wochen in den buddhistisch eingestellten Ländern Loas, Kambodscha und Thailand das Gefühl nicht los, dass die buddhistischen Gedanken und Ideen das Leben hier auf eine lebenswerte Weise prägen. Dem Alltag ein Gefüge geben und den Menschen einen Halt. Auch in Thailand gehört es als Selbstverständlichkeit dazu, dass ein Mann vor seiner Heirat und in jedem Fall vor dem Antreten eines höheren Amtes für einige Monate als Mönch in einem Kloster lebt.
Es gibt wie bei allem viele Wege, doch der „Mittlere Weg“, den ich hier erlebe, scheint mir kein Holzweg zu sein.

Lang lebe der König / Long live the king

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Lang lebe der König / Long live the king

29.11.2015 Brang Saphan / Thailand / N11°12’14.3“ E099°31’59.7“

Beim Parken geht unser Blick nach oben. Dorthin, wo die Kokospalmen wachsen. Ganz wie die Einheimischen haben wir uns daran gewöhnt, öfter nach oben zu sehen. Denn wenn eine der Nüsse mit einem kurzen Rauschen und lauten Aufschlag einmal am Boden gelandet ist, brauchen wir keine weitere Vorstellung wie es wäre, landete sie auf unsere Köpfen. Während wir gemütlich dasitzen, uns einen Drink genehmigen und aufs Meer schauen. Wir sind da, wo wir uns am Wohlsten fühlen. In einem kleinen verschlafenen Dorf am Meer. Umgeben von Leuten die hier leben. Sie setzen sich zu. Gucken einfach. Die Hunde machen es sich in ihrer Schläfrigkeit gemütlich, buddeln im Sand ein paar Kuhlen, liegen da und beobachten riechend, wie ich Fleisch anbrate, für unseren Salat am nächsten Morgen. Das Angebot an Brotbelägen hält sich hier stark in Grenzen. Überhaupt Brot zu bekommen ist ein Akt. Doch das auch noch belegen zu können bedarf Fantasie. Hier isst man Nudeln zum Frühstück. Da braucht es keinen Käse. Also versuchen wir uns selbst immer mal wieder mit was anderem zu überraschen, was es neben Marmelade am Morgen bei uns geben könnte. Ich liebe die Nudelsuppen Südostasiens. Doch nicht morgens, mittags und abends. Wir hängen die Fahnen Thailands an unsere Eingangstür. Für uns das Zeichen, in einem Land angekommen zu sein. Für die Leute eine Freude, ihre eigene Fahne zu sehen. Fahnen. Ein ständiger Begleiter sind sie hier. Und ganz Unterschiedliche. Die einen Gelb, die anderen Orange, die Dritten Blau und wieder andere Blau, Rot, Weiß gestreift. Das sind nicht alle, doch die am häufigsten Umherwehenden. Die gelbe Fahne ist die des Königs. Der siebenundachtzig jährige König Bhumibol wird im ganzen Land unglaublich verehrt. Seit neunundsechzig Jahren ist er der König. Das ist in unseren Zeiten die längste Periode, die ein und dieselbe Person eine Monarchie anführt. Selbst die Queen Elizabeth schafft es mit ihren dreiundsechzig Jahren Amtszeit nur auf Platz zwei. Er ist ein volksnaher König der leider seit vielen Jahren krank ist. Als Entwicklungshelfer im eigenen Land, Ingenieur, Politologe, Jurist, Saxophonspieler, Komponist, Maler und Segler wird er verehrt und geachtet. Die gelbe Flagge trägt sein ganz persönliches Königsmotiv. Seine Frau, Königin Sirikit, besitzt ihr eigenes Motiv auf einer blauen Fahne.

 

 

Brang Saphan / Thailand N11°12’14.3“E099°31’59.7“

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Die Kinder und Thronnachfolger haben wiederum eine andere Fahne. Gleichwohl gibt es ein Symbol, welches gehisst wir, wenn der König anwesend ist, wiederum ein anderes, wenn er außer Landes weilt. Allein die Fahnen des Königshauses machen die Straßenränder vielfältig bunt. Doch zwei Weitere sind immer mit dabei. Die Flagge des Thailändischen Buddhismus. Sie trägt das „Dharmacakra“, das „Rad des Gesetzes“, welches die Lehren Buddhas symbolisiert. Filigran in Rot gehalten steht es auf Orange-Gelben Grund. Die Rot-Weiß-Blau-Weiß-Rot gestreifte Fahne ist die Thailands. Das Rot steht für das Blut der Menschen, das Weiß für Reinheit und den buddhistischen Glauben. Der blaue Streifen symbolisiert die Monarchie und steht zugleich als Zeichen der Solidarität mit den Alliierten des Landes. Der König, seine Majestät, ist allgegenwärtig. Keine Kreuzung die wir passieren, die nicht sein Bild trüge. Mal jung, mal ganz jung, mal in die Tage gekommen. Ich mag diese Präsenz und meine zu spüren, dass die Liebe der Menschen zu ihrem König von Herzen kommt. Sie vertrauen ihm. Fühlen sich von ihm verstanden und gut geführt. König auf Lebenszeit ist der 1950 gekrönte Bhumibol Adulyadej (Rama IX). „Lang lebe der König“ sagen die Menschen hier. Für mich fühlt sich nach mehr an als einem Satz aus dem Märchenbuch.

 

 

Rechte Schulter / Right shoulder

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Rechte Schulter / Right shoulder

28.11.2015 Bran Buri / Thailand / N12°26’24.7“ E099°57’22.5“

Es ist Nachmittag. Siebzehn Uhr. Zeit, uns nach einem Platz für die Nacht umzusehen. An jedem Tag aufs Neue. Keine leichte Übung. Auch nach dreihundertdreißig Nächten nicht. Jedes Land hat seinen eigenen Umgang. Mal umfängt uns die Gastlichkeit der Einheimischen, wie in Iran. Die uns in ihre Häuser einluden. Mal finden sich an jeder Ecke einmalige Flächen, als seinen wir auf dem Mond, wie in der Mongolei. Mal gibt es große Stoppelfelder, wie in Kasachstan, auf denen wir das Gras wachsen hörten. Mal ist es eng und zugebaut, wie in China. Wo wir glücklich waren, überhaupt einen Platz zum Halten zu finden. Mal muss erst der Dorfälteste befragt werden, ob wir in seinem Dorf bleiben dürfen, wie in Laos. Mal ist das Land auf Besucher eingestellt, wie in Thailand. Nur eben nicht unbedingt auf solche wie uns. Mit unserem großen, schmutzigen Leo kommen wir uns ein klein wenig fehl am Platz vor. Während wir staubig und verschwitzt an den frisch geduschten und für das Abendessen herausgeputzten Urlaubern vorbei rollen. Die Strände sind herrlich. Doch der Weg dorthin bleibt uns versperrt. Die Resorts haben Platz genommen. Als breiteten sie ihre Arme auf dem weißen Sand in alle Richtungen aus. Uns bitten sie, weiter zu fahren. Nun. Wir stören uns nicht daran. Sagen einer großen Wiese, abseits des Meers, „hallo“, die uns einladend anlacht und stoppen auf ihr unsere Fahrt. Selig, heute Bangkok hinter uns gelassen zu haben. Es reizt uns die Stadt zu sehen. Doch nicht mit Leo und nicht heute. Dazu wird irgendwann später einmal Gelegenheit sein. Uns zieht es raus, raus. Zu stillen Orten. An denen wir uns selbst besser hören können. So viel ist in uns, was nach Verarbeitung ruft. Unsere Tüten sind randvoll. Einmal zu stark gebremst und alles schwappt über. Bangkoks Verkehr am äußersten Zipfel der Stadt lässt uns ahnen wie voll gestopft es weiter drinnen zugehen mag. Leo bekommt Gänsehaut und Schweißausbrüche. So zeigen wir Bangkok nicht die kalte, aber unsere rechte Schulter. Während die Stadt in der Ferne an uns vorbei flimmert.

Bran Buri / Thailand N12°26’24.7“E099°57’22.5“

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Waschen. Föhnen. Legen. / Washing. Blow drying. Shaving.

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Waschen. Föhnen. Legen. / Washing. Blow drying. Shaving.

27.11.2015 Chonburi / Thailand / N13°21’15.8“ E101°00’25.5“

In Rafsanjan, Mashad, Aktau, Almaty, Barnaul, Ulaanbataar, Dalanzadgad, Xian, Pu’er, Kampot und heute in Chonburi. Elf Mal haben wir mit Leo in den vergangenen elf Monaten eine Werkstatt besucht. In Iran, Kasachstan, Russland, der Mongolei, China, Kambodscha und nun in Thailand. Mal waren es Wochen währende Operationen. Mal kleiner Eingriffe. Von Land zu Land vollkommen verschieden in ihrer Art. Mal als Chaosplatz, mal als Hochlagerraum drapiert, sind es in jedem Fall Orte an denen sich nicht nur unser Leo wohl fühlt. Wir tauchen dann ab aus dem Fluss des öffentlichen Lebens, um einen ganz eigenen Kosmos zu betreten. Ein kleines Räderwerk setzt sich in Gang, ein Mechanismus kommt ins Rollen. Die Geschichten der Werkstätten sind ganz eigene. Es ist wie eine Parallelreise auf der Reise. Die eine führte uns entlang der Seidenstraße. Die andere sucht sich den Weg der Werkstätten. Beide erzählen über die Kulturen der Länder und deren Gepflogenheiten. In vollkommen unterschiedlichen Themen ergeben sie für uns am Ende ein gemeinsames Bild. Pattaya scheint die Stadt der Bars und Clubs zu sein. Dort war es einfach nicht möglich, eine LKW Werkstatt zu finden. Anders ist es fünfzig Kilometer weiter in Chonburi. Als sei das die Stadt der Trucks, reiht sich hier kilometerlang Schrauberwerkstatt an Reifenbude. Tar steht mit einem der Monteure telefonisch in Kontakt. Er ist quasi unser Ferndolmetscher, und kommt zum Einsatz wenn Hände und Füße der Worte nicht mehr mächtig sind, um die es geht. Dimensionen der Feder ausmessen, umhertelefonieren, die Gegend abfahren. Irgendwann der Anruf von Tar. Die Werkstattleute haben eine passende Federlage gefunden. Aus Bangkok kommt sie angereist. Gute Nachricht, nach stundenlangem Gedulden. Doch wir sind ganz ruhig. Sitzen auf einem klapprigen Sofa, direkt an der achtspurigen Schnellstraße. Das Rauschen und Donnern der Straße blenden wir aus. Wir machen aus dem Warten Bürozeit. Unser Carnet de Passages muss für den Leo verlängert werden. Anträge ausfüllen, im Büro der Werkstatt Originale ausdrucken. Einscannen. Nach München mailen. Nachtelefonieren. Korrekturen vornehmen. Erneut ausdrucken, einscannen, mailen.

Chonburi / Thailand N13°21’15.8“E101°00’25.5“

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Gut, dass die Werkstatt einen Wifi Zugang hat. Genial, dass wir deren Drucker und Scanner nutzen dürfen. Kleine Bausteinchen, die für uns zum Hürdenlauf mit Wassergraben werden, wenn wir uns alles irgendwo zusammen suchen müssen. Da kommt schon mal ein Hochgefühl auf, wenn alles geklappt hat mit dem Schreiben, Drucken, Scannen, Senden, Telefonieren. Zum krönenden Abschluss des Tages gibt es Hauptstadtbesuch. Unsere Feder kommt angefahren. Die Monteure schrauben was das Zeug hält. Siebzehn Uhr dreißig ist Werkstattschluss. Um Acht sind sie fertig. Öffnungszeiten. Für mich ein inzwischen verstandenes Indiz des wachsenden Lebensstandards. In den ärmeren Ländern gibt es kein Offen und Geschlossen. Da wohnt der Schrauber in seiner Werkstatt und macht, was zu tun ist, wann immer das ist. Hier nun wird nach uns die Werkstatt abgeschlossen. Gewohnt wird zu Hause. Nicht an der Schnellstraße. Im Fortschritt geht man zur Arbeit und kommt nach Hause. Ich verstehe den Sinn dahinter und mag trotzdem das „all in one“ Modell. Der Vater ist Schuster, sein ganzes Leben lang, und die ganze Familie gleich mit. Sie leben umgeben von Schuhen. Leder ist ihr Brot und ihre Butter. Irgendwie altmodisch. Ich weiß.  Wir sind im Greis-Saal der Buddhas. Hier werden sie geboren. Erblicken das Licht der Welt.  Werden geschweißt, geklebt, modelliert, gebogen, eingefärbt. Es staubt und qualmt. Goldstaub fliegt glitzernd durch die Luft. Die Männer sind in ihr Tun vertieft. Als meditierten sie bei ihrer Arbeit. Deren Ergebnis am Ende ein wunderschönes Buddha Abbild ist. Alles am Rande der Straße. Alles zwischen dem Donnern der LKWs und dem Staub der getunten Allradmobile.  Leo ist fertig und wartet darauf abgeholt zu werden. Er sieht aus als käme er frisch vom Friseur. Waschen. Föhnen. Legen. Ging ja eigentlich auch ganz schnell. Die neue Feder-Frisur sieht toll aus und sitzt. Wir bewundern ihn. Er blinkert verschmitzt.

Haufen voller Federn / Heap full of feathers

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Haufen voller Federn / Heap full of feathers

26.11.2015 Pattaya / Thailand / N12°59’22.1“ E100°55’16.5“

Als hätten wir einen Sprung zwischen den Jahrhunderten absolviert. So kommt es mir vor. Wir fahren an modernen Tankstellen vorbei. Großen Einkaufszentren. Die Straßen vierspurig und neu. Entlang unseres Weges reihen sich Häuser an Gebäude an Fabriken an Läden. Alles ist sauber, aufgeräumt, geordnet. Die zivilisierte Welt. Sonst für mich ganz normal. Doch meine Augen sahen in den letzten Monaten so viel anderes, dass sie sich erst wieder gewöhnen müssen an dieses Bild der Gegenwart. „Not macht erfinderisch.“ Dieser Satz schien in Laos und Kambodscha über allem und jedem zu stehen. Ein Sammelbecken der Kuriositäten. In der weiter entwickelten Welt scheinen diese Abstrusitäten der eigenen Ideen auf der Strecke zu bleiben. Warum ist das so? Es gibt für alles eine professionelle Lösung. Schade eigentlich. So freue ich mich, als ich wieder einmal eine fünfköpfige Familie auf ihrem Moped an uns vorbei rollen sehe. Ein Bild, was ich lieben gelernt habe. Zwei Monate lang waren wir in Laos und Kambodscha eingetaucht in ein Stück Vergangenheit im heute. Nun kommt es mir vor, als schauten wir durch eine Art Zukunftsglas. Der Sprung ist riesig. In mir scheint über die Monate hinweg ziemlich viel durcheinander gerüttelt worden zu sein. Es fühlt sich an, als säße ich in einem aufgeschüttelten Wasserglas. Die Schwebeteilchen müssen sich erst wieder absetzen. Dann kann ich hoffentlich klarer sehen. Ich fühle mich aufgewühlt. Doch nicht unruhig. Es ist gut wie es ist. Irgendwie spannend. Mit Tar sind wir verabredet. Wieder so ein eigenwilliger Kreis, der sich schließt. Vor genau einem Jahr standen wir im Weimarer Hotel „Elephant“, hielten ein Glas Sekt in der Hand und erzählten von unserem Vorhaben der Reise. Wir sprachen mit Kong aus Thailand. So ergab schnell ein Wort das andere. Dass es doch möglich wäre, hier dann seinen Bruder zu treffen. Damals für mich in unendlicher Entfernung. Bei all den Ländern, die bis dahin auf unserer Route liegen sollten. Genau so wenig kann ich es heute fassen, dass unser Vorhaben uns tatsächlich bis hier her gebracht hat und wir nun mit Tar, Kongs Bruder, telefonieren. Er wohnt in Pattaya. Einer Stadt am Ostufer von Thailand. Eine von Touristen angefüllte Stadt.

Pattaya / Thailand N12°59’22.1“E100°55’16.5“

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Viele Deutsche sollen hier überwintern. Vornehmlich älteren Kalibers. Bevorzugt Männer. Das prägt das Bild der Straßen. Für kurze Zeit scheint es als steckten wir mitten drin im Klischee. Das möchte ich Thailand nicht antun. Es wäre ein sehr einseitiger Blick. Also treffen wir Tar und machen uns gemeinsam auf den Weg, raus aus der Stadt.  Wieder einmal ist eine unserer Plattfedern gebrochen. Doch die Suche nach einer Werkstatt gestaltet sich schwierig. Tar gib sein Bestes. Er telefoniert umher, recherchiert im Internet. Gemeinsam fahren wir die Ausfallstraßen der Stadt ab, auf der Suche nach einer Werkstatt, die für unseren Leo passend wäre. Zwei der ehemaligen LKW Werkstätten haben vor einigen Wochen geschlossen. Andere sind nach Bangkok umgezogen. Leo muss sich ruhig verhalten. Springen ist heute nicht sein Ding. Die Suche nach der passenden Feder geht weiter. Gemeinsam mit Tar sitzen wir am Ufer des Meers. Die hell erleuchtete Stadt in unseren Rücken. Delikates thailändisches Essen vor uns auf den Tellern. Beschienen von einer Glühlampe. Wir schwitzen, ob der Wärme und Schärfe. Tar lassen die Gewürze kalt. Er ist es gewohnt, von Kindheit an. Kong ist in Deutschland. Wir sind hier, gemeinsam mit seinem Bruder Tar. Eine wirklich runde Welt!  Und ich? Ich laufe durch meinen inneren Haufen an aufgewirbelten Federn. Der Wind trägt sie überall hin. Sie versperren mir die weite Sicht. Von oben bis unten bin ich eingekleidet in dieses weiße Federkleid. Ich genieße das Durcheinander. Ohne zu ahnen, was ich eines Tages dahinter erkennen werde.

Mittagskind / Lunch child

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Mittagskind / Lunch child

25.11.2015 Chanthaburi / Thailand / N12°31’57.3“ E102°00’14.9“

Uns zieht es nicht weg. Wir haben keine Eile, diesen friedlichen Ort zu verlassen. Frühstück am Meer. Die Gezeiten kommen. Wir bleiben. Einzig die näher und dichter an uns heranschwappenden Wellen sagen uns, dass wir schon eine ganze Weile hier sitzen. Aus unseren selbstgeerntet Kokosnüssen trinkend und gemeinsam mit Raj die Welt einmal auf den Kopf und halbwegs wieder auf die Beine stellend. Unsere Teller und Tassen genießen ihr Bad im Meer. Wann kommen sie schon einmal in den Genuss? Kein Seifenwasser verklebt ihren Blick. Das Salz und der Sand sind ein Morgenpeeling für unsere Messer, Gabeln und Löffel. „Ämtertag“. So nennen wir ihn. Diesen ersten Tag in einem neuen Land. Immer wieder tappen wir auf die gleiche blinde Art durch ihn hindurch. Hängen irgendwie mit unseren Seelen noch in Kambodscha. Fühlen uns fremd. Wir verstehen nicht, was die Leute uns sagen wollen. Haben keine Ahnung von den Gepflogenheiten. Der Linksverkehr ist eine Nummer obendrauf. Sten sitzt weiter auf der linken Seite. Kann aber den rechts überholenden Verkehr nicht sehen. Dazu ist der Leo eine Nummer zu dick. So übernehme ich es, sein Rück- und Seitwärtsspiegel zu sein. Und quatsche ihn die ganze Zeit damit voll, ob die Bahn gerade frei ist oder nicht. Nach fünfzig Kilometern ein Ort. Stadt genug, um uns hier Geld und eine Telefonkarte zu besorgen. Stromkabelbündel, Nervensträngen gleich, ziehen sich durch alle Straßen. Große Werbeplakate erzählen irgendetwas von einer modernen Welt. Dazwischen die gleichen müden Männer wie in Kambodscha. Dort schaukelten sie in der Hängematte. Hier hocken sie schlafend auf ihren Mofas. Die Atmosphäre ist gleich und die Atmosphäre ist anders. Mir kommt es vor, als sehe ich in Thailand das Kambodscha der Zukunft. Ob es mir gefällt kann ich schwerlich sagen. Alles scheint organisierter, auch aufgeräumter. Doch sehne ich mich nach der spontanen Heiterkeit der Leute. Thailand wird seit Jahren von Touristen belagert. Die Menschen sind es gewohnt, dass Fremde ihr Land besuchen. Das verändert alles. Geldautomaten finden sich an fast jeder Ecke. Einfache Übung. Eine Telefonkarte zu erstehen ist da schon das nächste Schwierigkeits-Level. Drei Mal werden wir weiter geschickt. Warum, erschließt sich uns nicht.

Chanthaburi / Thailand N12°31’57.3“E102°00’14.9“

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Beim vierten Laden bleiben wir einfach so lange stehen bis etwas passiert. Und tatsächlich haben wir am Ende ne SIM Card zum Telefonieren und können damit auch ins Internet.  Die vierunddreißig Grad heute liegen wie eine Keule in unseren Nacken. Wir schleichen umher. Einzig auf der Suche nach einem nächsten kleinen Stück Strand. Ganz für uns allen. Wir, die kleinen Kinder, sind matt von dem Erlebten. Eigentlich sollten wir es inzwischen gewohnt sein. Sind wir aber nicht. Wir sind „Mittagskinder“ die erst einmal nur den halben Tag bleiben wollen. Wie früher im Kindergarten. Uns holt keine Mutti ab. Es bringt uns kein Vati nach Hause. Also sind wir es selbst, die beschließen, heute das Mondfest Mondfest sein zu lassen. Sehen von weitem das Feuerwerk und lassen die Welt draußen. Setzen uns ans Meer, halten die Nasen in den hellen Vollmondhimmel und genießen es „Mittagskind“ zu sein. Zur Eingewöhnung.

Grenzgänger / Border crossing

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Grenzgänger / Border crossing

24.11.2015 Khlong Yai / Kambodscha / N11°49’54.8“ E102°50’08.8“

Abgrenzend. Eingrenzend. Begrenzend. Das alles ist eine Grenze. Und dabei gleichzeitig auch öffnend, einladend und meine Neugier weckend.
Die Grenze macht mir jedes Mal bewusst, dass wir etwas hinter uns lassen und uns gleichzeitig etwas neuem zuwenden. Der eine Meter verändert alles. Das kann uns überall im Alltag wiederfahren. Und doch bringt es eine Grenze für mich spürbar auf den Punkt. Offensichtlich sind erst einmal die Sprache und die Währung, die wechseln. Darauf folgt die Gebärdung des Grenzpersonals. Welches mitunter komplett unterschiedlich, oder auch minimal, und doch erlebbar unterscheidbar ist. Ich mag an Grenzen, dass sie wie die großen Vorhängeschlösser einer Schatztruhe sind. Es ist nicht leicht sie zu öffnen. Es ist nicht einfach sie zu überwinden. Doch wenn es uns einmal gelungen ist, dann stehen wir staunend vor dem großen Unbekannten. Unsere Sinne sind geschärft. Wir beobachten genau. Wir sind dann der sprichwörtliche „neue Besen“, der „gut kehrt“. Fühlen uns unverbraucht, da unsere Blicke erst einmal leer sind. Ganz allmählich erst füllen sie sich an. Bis sie überzulaufen scheinen. Dann schließe ich mitunter meine Augen, um das Gesehene schützen zu können. Doch gleichzeitig verliere ich meine Neugier, fühle mich satt und gesättigt. Wenn es so weit ist, bin ich in einem Land angekommen. Und lebe stärker mit den Menschen mit. Ich fühle mich ihnen dann näher. Da meine Aufmerksamkeit nicht mehr so stark von dem Neuen beansprucht wird. Zum siebzehnten Mal stehen wir heute in diesem Jahr an einer Grenze. Anfangs war es super einfach sie zu überqueren. Als Grenzprozedur nicht spürbar, in Österreich, Italien und Griechenland. Die erste wahrnehmbare Grenze war die zwischen Griechenland und der Türkei. Spannend wurde unsere Einreise aus der Türkei in Iran. Nervenaufreibend waren die Grenzübertritte in allen „Tan“ Ländern. Turkmenistan, Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan. Lustig war es in Russland und der Mongolei. Angespannt in China. Vollkommen entspannt in Laos und Kambodscha. Und was erwartet uns heute? Die Grenze sieht aus wie ein großer bunter Markt. Überall stehen Hütten von denen aus uns irgendetwas angeboten wird. Dazwischen, in ihren Dimensionen und der Art der Aufmachung keinen Deut anders, die Grenzhäuschen für Ausreise, Einreise, Zoll und Co.

Khlong Yai / Thailand N11°49’54.8“E102°50’08.8“

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Es ist, als hätten wir den Markttag erwischt. Zu dessen Aufheiterung man ein Spiel veranstaltet. Welches da heißt: „Finde die Grenze“. Inzwischen wissen wir, wo wir für unser Carnet de Passage auf einen Stempel beharren müssen. Füllen die Ausreise- und Einreise-Zettel fast automatisch aus. Zu unserer großen Freude stempelt der Grenzer uns dreißig Tage in den Pass, die wir in Thailand bleiben dürfen. Angeblich bekommt man die nur am Flughafen zugebilligt. Auf dem Landweg erhält man lediglich für fünfzehn Tage eine Einreiseerlaubnis, wird erzählt. Das würde bedeuten, dass wir im Land eine Verlängerung beantragen, oder Thailand für weitere fünfzehn Tage noch einmal verlassen müssten. Doch der Zufall will es so, dass wir davon verschont bleiben. Vor uns und hinter uns bekommen die Leute die fest geschriebenen fünfzehn Tage. Uns schenkt man einen ganzen Monat. Rutsh läuft mit uns gemeinsam von Luke zu Luke, von Hütte zu Hütte. Er ist gebürtiger Inder, hat die letzten achtzehn Jahre in Australien gelebt und als Architekt gearbeitet. Mit seinem Motorrad ist er nun auf dem langen Weg zurück nach Indien. „long way home“ ist sein Reisemotto. Wir haben uns so viel zu erzählen, dass wir spontan beschließen, den Abend miteinander zu verbringen. Thailand ist an seinem östlichsten Zipfel spindeldürr. Es geht offensichtlich ausschließlich um den Zugang zum Meer, den die Thailänder den Kambodschanern nicht gönnten. So zieht sich ein super schmaler Landstreifen der Küstenlinie entlang. Bevor sich dahinter Kambodscha aufbäumt. Doch leider ohne Wirkung. Der Meerzugang gehört Thailand.  Für uns ist es gut. Finden wir vollkommen unkompliziert eine herrliche Stelle am Meer für die Nacht. Sitzen am Feuer, hören dem Rauschen der Wellen zu und erzählen uns gemeinsam mit Rutsh unsere Lebensgeschichten. Wir hören uns selbst zu. Es sind Erzählungen von Grenzgängern.            

Kommentar

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    Hallihallo,
    hatte lange keine Zeit, auf euren Blog zu lesen, 1 Woche vielleicht oder ein paar Tage länger.
    Euch geht es gut! Wie schön, die Familie vereint zu sehen…wünsche euch eine gute Zeit zusammen
    und sende vorweihnachtliche Grüße aus Dresden…

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    hallo ihr lieben, ede und sten,

    herzliche grüße aus der nebligen pfalz. wir sind wieder gut zurückgekommen und heute morgen habe ich mir mal die zeit genommen ein bsschen rumzustöbern auf eurer website. allein die gefühle die dabei heraufkammen sind toll.
    es war ein schöner morgen auf einem schönen markt mit euch zusammen. zu sehen es geht wohl anders, es live zu sehen und zu erfahren regt mich zum nachdenken an und mehr. es ist eine sehnsucht in mir, die in eine dunkle ecke geschoben wurde, irgendwann. jetzt ist sie wieder präsent.
    und das gefällt mir.
    mal schauen was passiert!
    euch geht es hoffe ich so gut wie gesehen. ihr seid wahrscheinlich aus khanom abgereist in richtung phuket….wow ein großer bruch wird euch erwarten…..falls ihr es einrichten könnt/wollt, fahrt mal nach phuket stadt, da gibt es einen herrlichen weihnachtsmarkt, so herrlich anders.
    und herrlich anderes essen. ich jedenfalls konnte nicht definieren was das alles war.
    wie auch immer wünsche ich euch eine weiterhin tolle zeit mit viel genuss, abenteuer und allem was ihr euch wünscht.
    wenn ihr mögt, lasst von euch hören, damit ich wieder ein bisschen träumen kann.
    ganz liebe grüße
    gabriela

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      Liebe Gabriela, nun bist Du wieder in Deutschland und wir sind noch immer hier. Allerdings werden wir Thailand in den kommenden zwei Tagen auch verlassen und nach Kambodscha fahren. Es war schön, Dich kennen gelernt zu haben! Ich wünsche Dir auf Deinem Gedankenweg viel Phantasie und Freude. Auf dass Du das Eine oder andere umsetzt, wenn die Zeit dafür reif ist. Mit lieben Grüßen in Deine Weihnachtszeit, Elke, mit lieben Grüßen von Sten

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    Ja, ich bin das, jeden Tag schaue ich in Euren Blog, erfreue mich an dem wunderbaren Schreibstil, die genialen Fotos, die umfangreiche Berichterstattung, teilzunehmen an einzigartige Erlebnisse und dass man Menschen über diesen Weg kennen lernen darf, zu denen man normalerweise keinen Zugang gefunden hätte. Ich teile auch mit Euch die Auffassung, man muss sich den Dingen nähern, um sie verstehen zu können. Auch bereit zu sein, etwas sehen zu wollen.
    Aber es macht mich schon jetzt ein wenig traurig, dass Eure Reise allmählich zu Ende geht und damit die interessanten Geschichten ausbleiben werden, oder?
    Irgendwann laufen wir uns in Jena über den Weg, darf ich Euch dann ansprechen?
    Fühlt Euch verstanden
    von einem weit gereisten Globetrotter

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      Liebe Marlis, wir kennen Dich nicht. Doch freuen uns, dass Du uns so treu begleitest, auf unserer langen Tour. Wenn Du uns in Jena siehst, sprich uns bitte unbedingt an. Wäre doch schön, sich einmal zu treffen!!!! Wo wir zu finden sind weißt Du vielleicht? Eine schöne Weihnachtszeit wünschen Dir Ede und Sten


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