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Ich setze auf Gewaltfreiheit - der Krieg in Kambodscha
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Ich setze auf Gewaltfreiheit / I choose nonviolence

06.11.2015 Anlong Veng / Kambodscha / N14°14’20.2“ E104°04’46.1“

1975 wurde zur „Stunde Null“ Kambodschas erklärt. Es ist der Beginn der Herrschaftsperiode der „Roten Khmer“, einer maoistisch-nationalistischen Guerillabewegung. Und damit der Ausbruch eines unglaublich brutalen Bürgerkriegs. Ihr Ziel war es, Kambodscha unter Einsatz größter Gewalt zum Agrarkommunismus zu führen. Der Postdienst wurde eingestellt, die Währung abgeschafft. Mit absoluter Unmenschlichkeit ging man vor. Trieb Alte und Kranke aufs Land, um sie dort zwölf bis fünfzehn Stunden arbeiten zu lassen. Ungehorsam führte zur sofortigen Exekution. Die Vertreibung der Stadtbevölkerung aufs Land führte zu einem wahnsinnigen Massenmord.
Die Kinder dieser Zeit kannten nichts anderes als Krieg, da zuvor jahrelange Bombardierungen durch die US-Armee und die Kämpfer Südvietnams statt gefunden hatten. Denn Kambodscha war ebenso wie Laos mittelbar am Vietnamkrieg beteiligt. So wurden sie alle zu Kindersoldaten, die sich Anfangs von der „Roten Khmer“ Gutes erhofften.
Drei Jahre, acht Monate und zwanzig Tage währte die Herrschaft, und damit die tödliche „Säuberungspolitik“, der Roten Khmer. 1978 konnte keiner mehr. Entweder, waren die Menschen getötet (geschätzte 1,7-2,2 Millionen), verwundet von den Kämpfen, schwach vom wenigen Essen oder vollkommen desillusioniert und verzweifelt. Der Machtherrschaft der Roten Khmer bereiteten die Vietnamesen ein Ende. Doch die Rote Khmer wurde erst 1998 endgültig aufgelöst. Der Aufarbeitungsprozess begann im Jahr 2000 und hält bis heute an. Da steht er vor uns, der Mann mit den „zehn Leben“. Von seinen Freunden wird er „Katze“ genannt. Alle anderen wären längst tot. Es gibt kaum eine Stelle an seinem Körper, die keinen Einschuss, Durchschuss oder Einschluss einer Kugel aufweist. Er zeigt uns jede dieser Stellen einzeln. Lässt uns die Kugeln in seinem Körper ertasten. Mir wird schwindelig, schlecht. Ich kann nicht mehr hinsehen und glaube, gleich ohnmächtig zu werden. Ich verberge mein Gesicht hinter dem Rücken von Götz, um durch ruhiges Atmen wieder halbwegs zu mir zu kommen. Wir sind im „Kriegs-Museum“ von Siem Reap. Indem ein ehemaliger Kämpfer zu uns spricht. Als Siebenjähriger ging er morgens aufs Reisfeld, um dort zu arbeiten. Als er Mittags um zwölf zum Essen heim kehrte, fand er seine gesamte Familie tot vor. Als einer der Kindersoldaten zog er daraufhin in den Bürgerkrieg und kämpfte sein Leben lang. Unglaubliches Leid muss er ertragen und gesehen haben. Er erzählt davon und wählt als Mittel zur Erträglichkeit Sarkasmus und Ironie. Es ist wohl seine Art, um irgendwie mit dem zu recht zu kommen, was ihm in seinem Leben wiederfuhr.
Wie er so vor uns steht, laufen in meinem Kopf Massen an Filmen gleichzeitig ab. Die alle von unfassbarem Leid erzählen. Dazu die Bilder die ich sehe, von abgetrennten Gliedmaßen, Verstümmelungen und Verelendung. Wie kann ein Land weiter leben, wenn es alle diese Einzelschicksale mit sich trägt? Jeder kennt die Geschichten des Nachbarn. Was der durchlebt hat und auf wessen Seite er stand. Ist das Leben nach einem Bürgerkrieg überhaupt wieder in den Griff zu bekommen? Wer traut wem? Wie kann Vertrauen erneut entstehen? Wenn jahrelang jeder gegen jeden kämpfte, wie uns der Mann erzählt. Selbst innerhalb von Familien machten die Kämpfe nicht halt.
Ich höre den Mann reden, in all seiner Authentizität. Doch er ist ganz weit weg. Es rauscht in mir. In mir steigt Wiederwillen den Kriegsgeräten gegenüber auf, die unter den lichtgrünen Palmen stehen und fast lieblich wirken. Von amerikanischer und russischer Seite stammen sie. Einiges an Gerät geht auf deutsche Fabrikate zurück. „Sie alle sind ausschließlich zum töten da“, geht es mir durch den Kopf. Noch schrecklicher die Felder mit den Landminen. Versteckt im Gras liegen sie eingebuddelt. Bis heute bringen sie Unheil über viele Familien im ganzen Land. Immer wieder sehen wir unterwegs Leute mit fehlenden Gliedmaßen. Und auch unser Mann im Museum verabschiedet sich nach einer Weile mit der Entschuldigung, dass er nicht mehr stehen kann. Unter seinem Holzbein hat sich eine Entzündung gebildet. Wir sind Angkor Wat handbreit nah. „Angkor“ die Zeit, die in Kambodscha als „schöner Schwan“ bezeichnete wird, der sich durch die vielen Kriege im Laufe seiner Geschichte zum „hässlichen Entlein“ entwickelte.
Ich bin einmal mehr erschüttert, was Menschen sich gegenseitig antun. Krieg, in welcher Form auch immer, ist der schlechteste aller nur denkbaren Wege und eine Lösung ist er in keinem Fall. Wann begreifen wir Menschen das nur endlich? Leider, leider rückt mir das Thema innerlich unglaublich nah, in Anbetracht aller Auseinandersetzungen, denen wir uns momentan auf der Welt und in Europa gegenüber sehen. Es rührt mich auf und ich kann an dieser Stelle nur einmal mehr betonen, lasst uns alle miteinander kluge, gewaltfreie Pfade beschreiten und nicht in ein dummes blindes Gegeneinander verfallen. Gewalt und geschürter Hass sind die schlechtesten aller Energien. Was für ein Sinnbild, etwas später am Rand der Straße. Der Vater schnitzt Buddha Figuren und der Sohn steht mit seinem Spielzeug Gewehr daneben. Buddha. Du und Deine gepriesene Gewaltfreiheit. Ich verehre Dich!
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