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Hinter der Membran / Behind the membrane

02.07.2015 Almaty / Kasachstan / N43°14’37.5“ E076°56’13.5“

Alles ist dumpf. Jeder Ton, jede Bewegung verlangsamt. Gezeichnet von Verzerrung im Klang. Verstehen, geht nicht. Ich versuche zu lesen, in den Gesten, an der Haltung. Stimmen gewandelt in Sprache. Unverständlich. Falsche Geschwindigkeit des Plattenspielers. Weit weg. Ich stehe hinter der Membran. Nicht in der Lage zu kommunizieren, bin Zuschauer in meinem eigenen Leben. Vor mir die Wand. Dann lange nichts. Weit entfernt. Dort Gestalten mit fragenden Gesichtern. Münder gehen auf und zu. Ratlosigkeit. Körpersprache sagt alles.
Sieben Uhr waren wir mit Yuliya verabredet, um zur Fahrzeugmeldestelle Almatys zu fahren. Dort gibt es auch ein Büro, welches sich mit Zollangelegenheiten befasst. 7.30 Uhr stehen wir auf dem Parkplatz vor dem fahnengeschmückten Gebäude. Unser Helfer aus dem Broker Büro ist mit uns. 8.00 Uhr öffnen sich die Gebäudeschwingtüren. Ach nein, Irrtum. Heute erst eine Stunde später. Macht nichts. 9.00 Uhr stürmen mit uns Massen von Anmeldewilligen das Gebäude. Unser Büro liegt unterm Dach. Dort will keiner mehr hin. Vollkommene Stille. Es sprechen ausschließlich drei kleine weiße Zettel mit uns. Der Mann hinter der Tür ist nicht da. Warten. Als er kommt, ist mir klar, dass mit ihm nicht viel gehen wird. Die Lustlosigkeit schwitzt ihm aus jeder Pore. Er müsste mutig sein, flexibel handeln und unkonventionell entscheiden. Doch warum sollte er? Er ist Behörde. Selbst als sein Oberboss ihn anweist, eine Lösung zu finden, ist er nicht bereit dazu. Das Problem: Es gibt ausschließlich ein Formular des Zolls, welches gegen Bezahlung der Steuer ermöglicht, die Ware auszulösen. Es gibt aber auch ein Gesetz welches sagt, dass wir nichts zu zahlen haben, da wir das gute Stück nur als Durchreisende Ein- und wieder Aus-Führen. Hm, diesen Fall hatte hier noch niemand. Wir wären die Ersten, wird uns immer wieder gesagt. Und da wisse man nicht, was zu tun sei. Irgendwann gehen wir, einen jungen IT-Mann im Schlepptau. Neue Anlaufstelle. Neue Hoffnung. Auch hier lässt sich das System nicht überrumpeln. Doch man versucht es wenigstens.
Wenig später die mutige Entscheidung, alles per Hand auszufüllen und das System sich selbst zu überlassen. Unfassbar. Unglaublich. Unheimlich. Un…, Un…, Un…
Wir halten DAS Papier in Händen. Nachmittags um 16 Uhr stehen wir vor dem Warenlager des Zolls. „Hey, wir sind es. Gebt uns das Getriebe!“ wollen wir rufen. Gut, so schnell geht’s dann doch nicht. Zettel, Zettelchen, Schreiben, Unterlagen. Alles will seine Ordnung haben. Wir bleiben ruhig auf der Zielgeraden. Es wird geschrieben, kopiert, Papier gerissen, abgeheftet, nachgefragt, wieder geschrieben, telefoniert, gewartet.
Und dann? Der große Moment. Unser Verteilergetriebe wird aus dem Dunkel ans Licht gebracht. Ein Leuchten umfängt das gute Stück. Ausgesendet von unseren Augen.
Irgendwie sind wir zu erschöpft, um Luftsprünge zu machen. Doch für nen kleiner Hopser reicht unsere Kraft.
Morgen wird montiert. Und dann haben wir es eilig. Am 04. Juli läuft wieder einmal unser Visum aus…
Und die Membran? Die haben wir mit Yuliyas Hilfe durchstoßen! Das hat nen Knall gegeben!

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Kommentar

  • Liebe Birgit, hab Dank für Dein Lebenszeichen! Also bist Du ebenfalls unbeschadet aus Turkmenistan zurück gekehrt?.) Und bei uns… Wer weiß, was das EIGENTLICHE unserer Reise ist? Vielleicht sind es genau diese Zwischenfälle? Wir werden sehen. Liebste Grüße in Deinen Sommer. Elke und Sten

  • Hallo ihr beiden, ihr habt ja mit eurer stoischen Gelassenheit inzwischen schon die Asiaten übertrumpft;-) Alles Gute für die Weiterreise und weniger unliebsame Zwischenfälle wünscht Birgit


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