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Elftes Level / Level number eleven

23.12.2015 Sihanoukville / Kambodscha / N10°34’03.1“ E103°33’15.9“

Was haben die Menschen nur getan, als es noch keine Smart Phones gab? Haben sie sich miteinander unterhalten? Oder Kreuzworträtsel gelöst? Haben sie in den Himmel gesehen und vor sich hin geträumt? Ob das was an unseren Geninformationen verändert, wenn nun die halbe Welt in ihr Telefon starrt und tippt, damit spielt und im Internet surft?
Da ist der Mann an der kambodschanischen Grenze. Kleine Blechhütte, von Sonne beschienen. Drinnen ist es duster. Licht fällt durch ein kleines Fenster und die Spalten der wackeligen Baukonstruktion. Eine Klimaanlage macht den Raum zum Kühlschrank. Zwei Holztische stehen da. In T-Form aneinander gerückt. Drei Stühle daran. Drei Männer darauf. Alle in Uniform. Jeder mit Orden schwerem Brustbehang. Sie haben was zu sagen. So viel steht fest. Es scheint mir, einmal hierher geschafft, ist es ein Job auf Lebenszeit. Da geht es nicht um Visavorgänge. Da sind die Level am Smart Phone entscheidend. Das sieht dann so aus. Wir treten ein. Drei versunkene Gesichter blicken kurz auf. Einer macht eine minimale Handbewegung zum Ersten. An den sollen wir uns also wenden. Doch der hat gerade ein Level verhauen, auf seinem Spiel im Telefon. Ein lauter Ton des Verlierens und Bedauerns hallt unüberhörbar durch den kleinen Raum. Entsprechend schlecht gelaunt schaut er zu uns hoch. Wir wollen nur schnell unser Visum bezahlen. Dann sind wir auch schon weg. Wenn es denn so einfach wäre… Der Beamte murmelt unverständliche Zahlen in sein Telefon. Das war wohl der Betrag, den wir zu zahlen haben. Doch verstehen, das ging leider nicht. Zweiter Versuch, das Level zu meistern. Wir warten ab, ob es diesmal klappt. Mit dem Level und dann auch mit dem Bezahlen. Mist, wieder nicht geschafft. Dabei ist er schon beim elften Level. Wir bemitleiden ihn und tun das auch kund. Woraufhin er uns sein Problem zeigt. Diffizile Unterschiede an zwei Apfelbäumen muss er herausfinden, um weiter zu kommen. Nun, vielleicht reicht einfach die Auflösung seines Smart Phones nicht aus, um die noch zu finden? Der Beamte ist froh darüber, dass wir sein Leid teilen und nun auch bereit, uns den zu zahlenden Betrag verständlich zu nennen. Innerhalb zweier Monate gab es ne saftige Erhöhung. Als wir vor acht Wochen von Laos aus nach Kambodscha einreisten, zahlten wir noch dreiundzwanzig Dollar pro Person, nun sind es Siebenunddreißig. Na ja, das Gouverment… Wir haben Verständnis und zahlen. Die anderen zwei Herren ebenfalls. Mit der Situation ihres verlierenden Kollegen. Sie nehmen ihm die Arbeit ab, damit er weiter probieren kann, sein elftes Level zu knacken.
Vor der Tür sollten eigentlich unsere Visaformulare bearbeitet werden. Doch auch hier sitzen zwei Männer an nem kleinen Tisch im Schatten eines Baumes und tippen auf ihren Telefonen herum. Wir sollen warten, erklärt uns eine nebenbei Handbewegung. Was ist nur los in unserer Welt? Was haben die Smart Phones, was menschliche Begegnungen offensichtlich nicht leisten können? Selbst später in der Dunkelheit der Nacht, hört das Phänomen nicht auf. Es regnet in Strömen. Wir sehen so gut wie nichts. Das Wasser nimmt dem abgeblendeten Scheinwerfer das letzte bisschen Leuchtkraft. Ich konzentriere mich mit allen Sinnen, um zu sehen, was auf der Straße los ist. Um Sten zu warnen und jede Menschengruppe rechtzeitig zu sehen, die mitten auf der Straße läuft. Die Kuhfamilien, die es auf dem Asphalt am kuscheligsten finden und die Hunde, die immer noch schnell die Seite wechseln müssen, da sie dort wohl eine Leckerei erschnüffelt haben. Da taucht doch tatsächlich ein kleines Lichtlein auf. Drum herum erkenne ich einen stoppenden Mopedfahrer, der auf sein beleuchtetes Smart Phone schaut. Bei strömendem Regen.
Ein anderer hält beim Fahren in der Lenkerhand ne kleine Taschenlampe als Beleuchtung. Die andere ist ans Ohr gedrückt, mit Telefon dazwischen. Was der noch hört ist mir ein Rätsel. Beim Rauschen des Regens, dem Knattern seines Mopeds und unserem vorbei donnernden Leo-Geräusch.
Wir Menschen sind echt wundersame Gestalten. Ich mag den Fortschritt, den die mobile Kommunikation uns gebracht hat. Über weite Entfernungen Verbindung aufnehmen zu können und zu halten. Entlegene Ecken der Welt miteinander zu verknüpfen. Doch die Stilblüten, die diese Entwicklung treibt, ist mir mehr als einen Gedanken wert. Bin gespannt, wohin unsere Welt die Reise auf den Smart Phones in Zukunft führt. Ob uns ein drittes Ohr wächst, fünf zusätzliche Finger, oder gleich ein neuer Arm?
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Kommentare

  • Eine frohe weihnacht und eine gesunde Heimkehr wünscht aus dem fernen Sachsen
    Klaus.
    Auch bei uns sind 18Grad und Frühling. In Werder blühen die Bäume.
    Ich verfolge euch kontinurirlich , bin fasziniert und schaue eure bilder und komentare


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