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Bilderbuchtag / A day like a picture-book

19.12.2015 Khok Klo / Thailand / N08°15’21.6“ E098°16’49.1“

Irgendwann musste es ja so weit kommen. Ob gewollt, verwünscht, gehofft, ersehnt, weg geschoben oder ignoriert. Dieser eine Tag, an dem wir alles zum ersten, oder eben in unserem Fall zum letzten Mal tun. Die Beine im Sand ausstrecken. Das lange Frühstück genießen. Die Stunden heranrollen lassen und wieder davon schwimmen. Zeit haben füreinander. Zeit verbringen miteinander. Das Jahr war lang. Gemessen an der Menge des Erlebten. Und das Jahr war definitiv kurz, von hinten betrachtet. Viele Bahnen sind wir geschwommen, im Laufe der letzten Monate. Hin und her. Immer wieder. Heute nun, die letzte Körperrolle am Beckenrand. Darauf zu schwimmen, anschlagen, den Körper gekonnt drehen, mit den Füßen kraftvoll abstoßen, lange gleiten lassen, Luft holen, nächster Schwimmzug. Wir trullern in unserer Bahn herum. Haben keine Lust, am Beckenrand anzukommen. Denn dann, unweigerlich, wird uns die Kehrtwende abverlangt. Jeder nimmt ein Ende in die Hand und zieht, was das Zeug hält. Wir dehnen den Tag wie er nur zu dehnen geht. Und doch wird aus dem schattigen Morgen, dem sonnigen Vormittag, dem stechend heißen Mittag, dem angenehmen Nachmittag, dem lauen Abend irgendwann schwarzfinstere Nacht. Da zünden wir einfach nen großen Ballon an. Hängen alle Drei unsere Wünsche daran und lassen das Licht gemeinsam fliegen. Lange gleitet es übers Meer, von unseren Augen verfolgt, bis es vom Dunst der Nacht verschluckt wird. Samt unserer Wünsche. Mehr Licht muss her. Genau das Richtige für Sten unseren Pyromanen. Ein Feuer, wie es zur Walpurgisnacht kaum größer sein kann, erhellt augenblicklich unseren Strand. Das Papier des gesamten vergangenen Jahres verbrennen wir. Eintrittskarten aus Pergamon, Hefte aus Korinth. Zeitungen von vor einem Jahr aus Deutschland. Und immer wieder die kleinen Blätter des Abreiß-Kalenders. Da ist der 11. Mai. Der mir auf seiner Rückseite erklärt, dass die Eismassen der Antarktis die Landmasse so weit nach unten gedrückt haben, dass der größte Teil des Festlandsockels unter dem Meeresspiegel liegt. Oder der 13. Juni. Der weiß wie groß das größte fahrbare Motorrad ist. Nämlich 3,42 Meter hoch am Lenker und 6,18 Meter lang. Na gut, dass ich da noch mal nachgelesen habe. Wäre mir sonst möglicherweise entfallen. Was wir an diesen beiden Tagen im Mai und Juni gemacht haben? Vermutlich irgendwo auf unsere Verteilergetriebereparatur gewartet. Und Spaß dabei gehabt.

So langsam misten wir aus, räumen auf, entsorgen, verschenken oder geben die ersten Dinge Paula mit nach Hause. Wir können uns die Augen zuhalten, um nicht zu sehen. Und doch. Es ist unser letzter gemeinsamer Tag hier mit Paula. Und es ist unser letzter entspannter Strandtag im Süden Thailands. Es hilft nichts. Mutig Hand an die Bande und Körperdrehung, langes Gleiten lassen, dann atmen. Morgen treten wir den Rückweg an. Mit unserem heutigen Bilderbuchtag im Gepäck.
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Kommentar

  • Liebe Marie-Theres, lieber Fritz,
    gern denken wir an unsere Begegnung zurück! Wir freuen uns, dass ihr euch an uns erinnert und auch das Projekt in der Mongolei unterstützt! Dort einmal hin zu fahren ist eine wunderbare Idee! Wir wünschen euch Besinnlichkeit in der Weihnachtszeit. Alles Liebe Ede, mit Grüßen von Sten

  • Grüezi Ede und Sten
    Die grauhaarigen Backpakers von Shianukville sind nun wieder zurück in der kalten Heimat.
    Wir denken gerne an die schöne Begegnung und wünschen eine gute Rückkehr.
    Gerne unterstützen wir das Projekt in der Mongolei und „liebäugeln“ mit einer Reise dorthin.
    Frohe Festtage und liebe Grüsse aus der Schweiz
    Marie-Theres&Fritz


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